100 Legenden der Bundesliga - Thomas Lötz, Reinaldo… – 11FREUNDE

Natür­lich fehlt da keiner der Großen, nicht Franz Becken­bauer, nicht Gerd Müller und nicht Wolf­gang Ove­rath. Günter Netzer kämmt sich noch einmal den frisch sham­poo­nierten Scheitel aus dem Gesicht und Paul Breitner sin­niert im Schau­kel­stuhl über Maos Kul­tur­re­vo­lu­tion.

Aber das Buch ver­meidet den allzu gefäl­ligen Zugriff auf die Mythen der Jahr­zehnte. Die Por­träts der Spieler und spä­teren Funk­tio­näre sind prä­zise, nie ober­fläch­lich und bei alledem sehr unter­haltsam. Wenn etwa Kevin Keegan von den Übungs­ein­heiten unter Branko Zebec berichtet, der mit schwarzer Son­nen­brille am Mit­tel­kreis stand und unge­rührt zusah, wie sich die jungen Kicker rei­hen­weise über­gaben, bis sich Keegan an Zebecs letztem Arbeitstag nach­zu­fragen traute, was es mit der Schin­derei auf sich gehabt habe. Ant­wort von Zebec: »Ich wollte nicht eure Fit­ness, son­dern euren Willen und Cha­rakter testen.« Die Foto­gra­fien der Spieler ergänzen die Por­träts stimmig und beherr­schen bis­weilen sogar die Szene. Wenn zum Bei­spiel der junge, halb­nackte Rudi Assauer unschuldig in die Kamera blickt und dabei dezent an einer blü­henden Rose schnüf­felt, ver­gleicht der Leser den Char­meur von damals unwei­ger­lich mit dem älteren Herrn, der in den Blu­men­ra­batten von Sylt mit Simone Tho­m­alla catcht.

Zum Vor­teil gereicht dem Band aber auch, dass er sich nicht spröde an Jah­res­zahlen oder an den übli­chen Kli­schees ent­lang­han­gelt. Statt­dessen wird es bunt in der Kate­gorie »Pop«, treff­si­cher bei den »Bal­ler­män­nern« um Gerd Müller und Ulf Kirsten und bei­nahe sozio­lo­gisch in »Typisch deutsch«, wo Olaf Thon über­ra­schend (für Olaf Thon) neben den erwart­baren Mat­thias Sammer und Oliver Kahn auf­taucht. Und wo natür­lich die Förster-Brüder Karl-Heinz und Bernd aus Stutt­gart gewür­digt werden, die so per­fekt unschul­dige Blicke und knüp­pel­hartes Ein­steigen kom­bi­nieren konnten.

Die Kate­go­rien schützen den Band vor Belie­big­keit, die sich bei einem so popu­lären Thema sonst schnell ein­stellt. Es bedurfte offenbar viel Recherche, um eben nicht die bereits hun­dert­fach gese­henen Foto­gra­fien vom ent­fes­selten Kahn in Ham­burg 2001, von den blei­chen Schal­kern auf der Ankla­ge­bank und dem blu­tenden Schädel von Dieter Hoeneß aber­mals zwi­schen zwei Buch­de­ckel zu pressen. Die schönste Foto­grafie des Buches zeigt übri­gens den jungen Franz Becken­bauer, noch nicht mit Gold­rand-Brille und selbst­ge­wisser Atti­tüde, son­dern erschöpft nach dem Spiel, mit stil­echtem Schnauz, Kapi­täns­binde und blü­ten­weißem Bay­ern­trikot. Eben eine Legende der Bun­des­liga.

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