Natürlich fehlt da keiner der Großen, nicht Franz Beckenbauer, nicht Gerd Müller und nicht Wolfgang Overath. Günter Netzer kämmt sich noch einmal den frisch shampoonierten Scheitel aus dem Gesicht und Paul Breitner sinniert im Schaukelstuhl über Maos Kulturrevolution.
Aber das Buch vermeidet den allzu gefälligen Zugriff auf die Mythen der Jahrzehnte. Die Porträts der Spieler und späteren Funktionäre sind präzise, nie oberflächlich und bei alledem sehr unterhaltsam. Wenn etwa Kevin Keegan von den Übungseinheiten unter Branko Zebec berichtet, der mit schwarzer Sonnenbrille am Mittelkreis stand und ungerührt zusah, wie sich die jungen Kicker reihenweise übergaben, bis sich Keegan an Zebecs letztem Arbeitstag nachzufragen traute, was es mit der Schinderei auf sich gehabt habe. Antwort von Zebec: »Ich wollte nicht eure Fitness, sondern euren Willen und Charakter testen.« Die Fotografien der Spieler ergänzen die Porträts stimmig und beherrschen bisweilen sogar die Szene. Wenn zum Beispiel der junge, halbnackte Rudi Assauer unschuldig in die Kamera blickt und dabei dezent an einer blühenden Rose schnüffelt, vergleicht der Leser den Charmeur von damals unweigerlich mit dem älteren Herrn, der in den Blumenrabatten von Sylt mit Simone Thomalla catcht.
Zum Vorteil gereicht dem Band aber auch, dass er sich nicht spröde an Jahreszahlen oder an den üblichen Klischees entlanghangelt. Stattdessen wird es bunt in der Kategorie »Pop«, treffsicher bei den »Ballermännern« um Gerd Müller und Ulf Kirsten und beinahe soziologisch in »Typisch deutsch«, wo Olaf Thon überraschend (für Olaf Thon) neben den erwartbaren Matthias Sammer und Oliver Kahn auftaucht. Und wo natürlich die Förster-Brüder Karl-Heinz und Bernd aus Stuttgart gewürdigt werden, die so perfekt unschuldige Blicke und knüppelhartes Einsteigen kombinieren konnten.
Die Kategorien schützen den Band vor Beliebigkeit, die sich bei einem so populären Thema sonst schnell einstellt. Es bedurfte offenbar viel Recherche, um eben nicht die bereits hundertfach gesehenen Fotografien vom entfesselten Kahn in Hamburg 2001, von den bleichen Schalkern auf der Anklagebank und dem blutenden Schädel von Dieter Hoeneß abermals zwischen zwei Buchdeckel zu pressen. Die schönste Fotografie des Buches zeigt übrigens den jungen Franz Beckenbauer, noch nicht mit Goldrand-Brille und selbstgewisser Attitüde, sondern erschöpft nach dem Spiel, mit stilechtem Schnauz, Kapitänsbinde und blütenweißem Bayerntrikot. Eben eine Legende der Bundesliga.