„Aus tiefster Zechensohle“ - Fred Bockholt über das… – 11FREUNDE

Fred Bock­holt, heute werden zum Finale über 10 000 Zuschauer erwartet. Was ver­binden Sie mit dem Duell Schwarz-Weiß gegen Rot-Weiß?

Da fällt mir das Auf­ein­an­der­treffen 1985 ein. Oster­montag, 30 000 Zuschauer – und das in der Ober­liga. Das Spiel wurde damals unglaub­lich auf­ge­heizt. Dieter Tar­te­mann war Trainer von RWE, ich von Schwarz-Weiß. Die »Bild-Zei­tung« machte dann einen Foto­termin aus: Dieter posierte in Arbeits­kla­motten, ich mit Zylinder und Frack. Da wollte man ein­fach über­spitzt die Gegen­sätze zwi­schen Arbeiter- und Nobel­verein dar­stellen. Im Sta­dion herrschte eine geniale Atmo­sphäre. Das einzig Nega­tive: Wir ver­loren 1:3.

Sie haben bei Rot-Weiß gespielt und Schwarz-Weiß trai­niert. Zwei Klubs mit sehr gegen­sätz­li­cher Kli­entel.

Rot-Weiß lag immer schon in einem Arbei­ter­viertel, Schwarz-Weiß ist viel­leicht der etwas noblere Verein. Selbst zu den Kli­cker­spielen pil­gern Zehn­tau­sende zu Rot-Weiß, wäh­rend bei Schwarz-Weiß im etwas vor­neh­meren Viertel die Reso­nanz geringer ist. Schwarz-Weiß hielten manche für einen Hob­by­verein. Da wurde zu oft das Risiko gescheut, um es nach oben zu schaffen. 

Dabei hat SW große Fuß­baller her­vor­ge­bracht, etwa Oliver Bier­hoff und Jens Leh­mann… 

… nicht nur die. Man kann die Liste wei­ter­führen: Volker Knapp­heide, Andreas Sassen, Thomas Cichon. Das Ruhr­ge­biet ist nun einmal eine Hoch­burg für gute Fuß­baller. Hier zahlte sich immer schon der Stra­ßen­fuß­ball aus. Früher war Tennis oder Ski­fahren noch nicht so attraktiv. Heute fährt jede Familie in den Ski­ur­laub. 

Wie haben Sie als Spieler die Duelle der beiden Lokal­ri­valen emp­funden?

Wäh­rend der Umbau­ar­beiten des RWE-Sta­dions haben wir auch im Uhlen­krug gespielt, der Heim­stätte von Schwarz-Weiß. Für uns Spieler gab es diese Riva­lität nicht. Klar wollte man die Derbys gewinnen, doch nach dem Spiel ist man zusammen Kaffee oder Pils trinken gegangen. Man kannte sich ja.

Wel­ches Team hat heute die bes­seren Chancen?

Gebrau­chen können die 100.000 Euro für den Einzug in den DFB-Pokal beide Ver­eine. Rot-Weiß hat natür­lich Heim­vor­teil, sie spielen eine Liga höher, doch Schwarz-Weiß kann sicher­lich für eine Über­ra­schung sorgen.

Wie sind Ihre Erin­ne­rungen an die Zeit des Stra­ßen­fuß­balls?

Das waren ganz andere Zeiten. Mein Enkel­kind hatte letzte Woche Kom­mu­nion und hat einen Laptop geschenkt bekommen. Zu meiner Kom­mu­nion bekam ich Fuß­ball­schuhe und fühlte mich wie der König. Schon beim Kaf­fee­trinken an meinem Kom­mu­ni­onstag habe ich den Hin­tern ver­sohlt bekommen, weil ich in meinem Kom­mu­ni­ons­anzug Fuß­ball gespielt hatte.

Und Ihre ersten Tor­wart­hand­schuhe in der zweiten Bun­des­liga soll Ihre Groß­mutter gestrickt haben.

Das stimmt. Mein Tor­wart­trainer hat mir Anfang der sech­ziger Jahre bei den Spielen im Winter noch immer einen erhitzten Knet­ball gegen die Kälte mit­ge­geben. Ich werde nie ver­gessen, wie meine Oma mir dann die gestrickten Hand­schuhe über­reicht hat: gelbe Finger und eine grüne Hand­fläche. Da haben sich die geg­ne­ri­schen Stürmer erschro­cken vor den Farben.

Haben Sie damit die ganze Zeit durch­ge­spielt?

Nein, meine zweiten Hand­schuhe kamen von Sepp Maier, der hat die ver­schickt, um Wer­bung dafür zu machen. Das waren schwarze Hand­schuhe aus Leder mit roten Nocken. Wenn man im Sommer geschwitzt hat, waren die Finger noch Stunden später schwarz, als käme man gerade von der tiefsten Sohle der Zeche. Selbst nach dem Duschen waren die Hände noch schwarz.

Was machen Sie heute?

Ich war jah­re­lang nach meiner Bun­des­li­ga­kar­riere Lehrer für Mathe und Sport, seit acht Jahren bin ich in Rente. Außerdem arbei­tete ich bei diversen Clubs als Trainer und Tor­wart­trainer, bei­spiels­weise mit Fried­helm Funkel beim MSV. Seit zwei Jahren bin ich Scout bei Rot-Weiß Ober­hausen und reise durch ganz Deutsch­land – das hält schon ordent­lich fit.