Bayerischer Scheiterhaufen - In München schläft kein… – 11FREUNDE

Seit Sai­son­be­ginn steht Jürgen Klins­mann als Trainer des FC Bayern in der Kritik. Die Ergeb­nisse in der Bun­des­liga passen nicht zum Selbst­ver­ständnis des Münchner Ver­eins – und nun wartet aus­ge­rechnet der FC Bar­ce­lona im Vier­tel­fi­nale der Cham­pions League. Klins­mann ist nicht der erste Coach, der Pro­bleme beim deut­schen Rekord­meister hat – nur wenige gingen erst, als ihr Ver­trag aus­lief. Hier sind die Vor­gänger von Klins­mann, die mit Kritik umgehen mussten und schließ­lich ent­lassen wurden.

Branko Zebec (1.7.1968 – 13.3.1970)

Er trat die Nach­folge des legen­dären Zlatko »Tschik« Caj­kovski an, der nicht nur zwei Mal den DFB-Pokal und den Euro­pa­pokal gewann, son­dern auch Sprüche wie »kleines, dickes Müller« und »Ich Lehrer für Fuß­ball, nix für Deutsch« prägte. Caj­kovski führte den FC Bayern zuvor aus dem Schatten von 1860 Mün­chen, Zebec sollte nun eine Meis­ter­mann­schaft formen.

Es gelang ihm: Erst­mals seit 1932 konnte der FC Bayern im Jahr 1969 Deut­scher Meister werden, wobei Zebec im Laufe der Saison gerade einmal 13 Spieler ein­setzte. Die Münchner gewannen nicht nur die Meis­ter­schaft, son­dern auch den DFB-Pokal, was das erste Double in Deutsch­land seit 1937 (Schalke 04) bedeu­tete.

Danach gab es ein Sze­nario, das auch den jün­geren Fans des FC Bayern bekannt sein dürfte. Nach einer deut­li­chen Nie­der­lage in der ersten Runde des Euro­pa­po­kals der Lan­des­meister (2:0 und 0:3 gegen St-Éti­enne) und durch­wach­senen Ergeb­nissen in der Bun­des­liga wurde Zebec vor­zeitig ent­lassen und durch Udo Lattek ersetzt.

Franz Becken­bauer berich­tete später in seiner Bio­gra­phie »Einer wie ich« von einem Zer­würfnis zwi­schen Zebec und den Star­spie­lern des FC Bayern. Zebec fei­erte später noch mit dem Ham­burger SV die Deut­sche Meis­ter­schaft.
Udo Lattek (14.3.1970 – 2.1.1975)

Udo Lattek ist den Fuß­ball­fans der jün­geren Gene­ra­tion wohl nur noch als Stamm­tisch-Experte des DSF bekannt. Dabei ist Lattek neben Gio­vanni Tra­pat­toni der ein­zige Trainer, der alle drei Euro­pa­po­kale gewonnen hat. Und wohl die wenigsten wissen, dass der ehe­ma­lige Trainer auf ein abge­schlos­senes Päd­agogik-Stu­dium ver­weisen kann – wes­halb er als Experte gilt, wenn es um Fragen der inneren Dynamik einer Fuß­ball­mann­schaft geht.

Lattek kam im März 1970 zum FC Bayern, seine Ver­pflich­tung wurde kri­tisch beäugt, weil er über kaum Erfah­rungen als Trainer ver­fügte. In Lat­teks erster Saison gewann der FC Bayern den DFB-Pokal und wurde Zweiter in der Bun­des­liga. Nach dieser Spiel­zeit ver­pflich­tete Lattek Paul Breitner und Uli Hoeneß.

Der FC Bayern gewann danach drei Mal in Folge die Meis­ter­schaft und im Jahr 1974 auch noch den Euro­pa­pokal der Lan­des­meister. In die Geschichte ging dabei das End­spiel gegen Atle­tico Madrid ein, als Franz Becken­bauer seinem Kol­legen »Kat­sche« Schwar­zen­beck wäh­rend der Ver­län­ge­rung zuge­rufen haben soll: »Schieß ein­fach!« Schwar­zen­beck schoss, traf und erzwang so ein Wie­der­ho­lungs­spiel, das der FC Bayern mit 4:0 gewann.

In der dar­auf­fol­genden Saison aller­dings lief es nicht gut für den FC Bayern: Im DFB-Pokal schied die Mann­schaft in der dritten Runde gegen den MSV Duis­burg aus, in der Bun­des­liga belegte der FC Bayern zur Win­ter­pause nur den zehnten Platz. Es gab ein Kri­sen­ge­spräch zwi­schen Lattek und dem Prä­si­denten. Lattek sagte später über den Gesprächs­ver­lauf: »Ich sagte: Herr Neu­de­cker, wir müssen etwas ändern.« Da sagte Neu­de­cker: »Sie haben recht. Sie sind gefeuert.«
Dettmar Cramer (16.1.1975 – 30.11.1977)

Cramer konnte zwar die Bun­des­liga-Saison nicht mehr retten, gewann aber wie sein Vor­gänger Udo Lattek den Euro­pa­pokal der Lan­des­meister – und ver­tei­digte ein Jahr später den Titel.

Noch heute rät­seln die Fans des FC Bayern, ob Cramer nun in die Liste der gefeu­erten Trainer gehört. Es war näm­lich so: Nachdem die Münchner in der Saison 1976/77 65 Gegen­tore hin­nehmen mussten, geriet Cramer mehr und mehr in die Kritik, vor allem die 0:7‑Heimpleite gegen Schalke 04 wurmte die Ver­ant­wort­li­chen.

Dettmar Cramer, der später den Pro­fes­soren-Titel von den Uni­ver­si­täten Tokio und For­mosa ehren­halber ver­liehen bekam, konnte auch in der fol­genden Saison keine Erfolge feiern, wes­halb sich der FC Bayern zu einem Tausch­ge­schäft ent­schloss: Cramer wech­selte zu Ein­tracht Frank­furt, dafür kam der Frank­furter Trainer Gyula Lorant zu den Münch­nern.
Gyula Lorant (2.12.1977 – 11.12.1978)

Gyula Lorant durfte gerade einmal ein Jahr beim FC Bayern bleiben, ehe er ent­lassen wurde. Seine sport­liche Bilanz ist eher dürftig: In der Saison 1977/78 wurde er Zwölfter, in der Saison 1978/79 stand seine Mann­schaft auf Platz sechs, als er ent­lassen wurde.

Von Lorant sind viel­mehr seine Sprüche in Erin­ne­rung geblieben. So soll er gesagt haben: »Der Ball ist rund. Wäre er eckig, wäre er ja ein Würfel.« Oder: »Bun­des­li­ga­spiele sind keine rus­si­sche Wahlen, bei denen immer gewonnen wird.«

Der Mann­schafts­arzt des FC Bayern, Hans-Wil­helm Müller-Wohl­fahrt, erzählt fol­gende Geschichte über Lorant: »Wegen Gyula Lorant hätte ich bei­nahe auf­ge­hört. Er hat mir mal erklärt, dass man einen her­aus­ge­sprun­genen Meniskus am besten mit der Eck­fahne wieder rein­haut.«
Pal Csernai (12.12.1978 – 16.5.1983)

Eigent­lich sollte Max Merkel Trainer des FC Bayern werden, er war der erklärte Favorit von Prä­si­dent Wil­helm Neu­de­cker. Die Mann­schaft jedoch lehnte Merkel wegen seines Rufs als knall­harter Schleifer ab und for­derte die Ein­set­zung des bis­he­rigen Ko-Trai­ners Pal Csernai. Auf dem Rück­flug von einem Aus­wärts­spiel soll es zu einer Abstim­mung im Flug­zeug gekommen sein – wor­aufhin Neu­de­cker als Prä­si­dent zurück­trat, nachdem er als letzte Amts­hand­lung Csernai einen Ver­trag anbot.

Csernai wagte es in seiner ersten vollen Saison als Trainer, beim Spiel gegen Frank­furt Stürmer Gerd Müller aus­zu­wech­seln. Er wurde zwei Mal in Folge Deut­scher Meister und wurde für die Ein­füh­rung des »Pal-Sys­tems« respek­tiert, einer Art Raum­de­ckung in der Defen­sive.

Ein legen­däres Spiel unter Csernai war das Finale des DFB-Pokals im Jahr 1982. Dieter Hoeneß ver­letzte sich nach einem Kopf­ball­duell mit Alois Rein­hardt, die Wunde wurde auf dem Spiel­feld nur not­dürftig ver­sorgt. In der Halb­zeit­pause – es stand 2:0 für den FC Nürn­berg – redete sein Bruder Uli auf ihn ein, dass die Mann­schaft ihn brau­chen würde. Dieter Hoeneß spielte weiter, der FC Bayern gewann mit 4:2, wobei Hoeneß das letzte Tor per Kopf erzielte.

Drei Tage vor dem Ende der Saison wurde Csernai den­noch wegen Erfolg­lo­sig­keit beur­laubt, Rein­hard Saftig durfte die Saison beenden und wurde dann von Udo Lattek abge­löst.
Jupp Heyn­ckes (1.7.1987 – 8.10.1991)

Es war ein unglaub­lich schweres Amt, das Heyn­ckes am 1.7.1987 antrat: Udo Lattek war in den drei Spiel­zeiten zuvor Deut­scher Meister geworden und stand in seiner letzten Saison als Bayern-Trainer im Finale des Lan­des­meister-Pokals (1:2 gegen den FC Porto). Lattek wurde somit der erfolg­reichste Trainer der Bun­des­liga-Geschichte, in der Spiel­zeit 1984/85 gelang es ihm gar, vom ersten bis zum letzten Spieltag Tabel­len­führer zu sein.

Heyn­ckes musste den Umbruch ver­ant­worten, nachdem die Natio­nal­spieler Lothar Mat­thäus, Andreas Brehme und Jean-Marie Pfaff den Verein ver­ließen. Drei Dinge blieben in der Amts­zeit von Heyn­ckes in beson­derer Erin­ne­rung: Das Duell im »Aktu­ellen Sport­studio« mit Chris­toph Daum vor dem Spit­zen­spiel gegen den 1. FC Köln. Der Kölner Trainer behaup­tete wäh­rend des Gesprächs, eine Wet­ter­karte sei inter­es­santer als ein Gespräch mit Heyn­ckes. Der FC Bayern gewann das Spiel deut­lich. Unter Heyn­ckes erzielte Klaus Augen­thaler das »Tor des Jahr­zehnts«, als er im Bun­des­li­ga­spiel gegen Ein­tracht Frank­furt aus exakt 48,90 Metern das 1:0 schoss.

Legendär war auch das Halb­fi­nale im Euro­pa­pokal der Lan­des­meister in der Saison 1990/1991, als der FC Bayern in der 90. Minute mit 2:1 führte und kurz vor dem Einzug ins Finale stand. Dann jedoch klatschte sich Tor­hüter Rai­mund Aumann einen hohen Ball selbst ins Tor, der FC Bayern schied aus. Manager Uli Hoeneß sagte auf die Frage eines Repor­ters, woran es denn nun gelegen habe: »Das haben Sie doch selbst gesehen, ver­dammt nochmal!«

In der Saison 1991/92 lief es in der Hin­runde nicht beson­ders für den FC Bayern, es setzte eine Nie­der­lage in der zweiten Runde des DFB-Pokals und anschlie­ßend verlor die Mann­schaft zu Hause gegen die Stutt­garter Kickers mit 1:4. Heyn­ckes musste gehen, er wurde gebüh­rend ver­ab­schiedet. Rai­mund Aumann sagte später, dass die Spieler Tränen in den Augen hatten, und Uli Hoeneß erklärte Jahre später, dass die Ent­las­sung von Heyn­ckes seine größte Fehl­ent­schei­dung gewesen sei.
Sören Lerby (9.10.1991 – 10.3.1992)

Er sollte eine durch­wach­sene Saison des FC Bayern retten – und star­tete denkbar unglück­lich. Im Uefa-Cup setzte es eine der bit­tersten Nie­der­lage in der Ver­eins­ge­schichte, die Mann­schaft unterlag in der zweiten Runde B 1903 Kopen­hagen mit 2:6. Der FC Bayern unterlag in der Bun­des­liga im Olym­pia­sta­dion unter anderem Borussia Dort­mund (0:3), Dynamo Dresden (1:2) und Hansa Ros­tock (1:2). Aus­wärts setzte es Nie­der­lagen gegen Kai­sers­lau­tern (0:4), Karls­ruhe (0:3) und Hansa Ros­tock (1:2).

Es reichte am Ende nur zu einem zehnten Platz, der FC Nürn­berg stand vor den Münch­nern, und zum ersten Mal seit 1979 durfte der FC Bayern nicht an einem inter­na­tio­nalen Wett­be­werb teil­nehmen. Die Tren­nung von Sören (dänisch: Søren) Lerby war die logi­sche Folge einer denkbar schlechten Saison für den FC Bayern.
Erich Rib­beck (11.3.1992 – 27.12.1993)

Kommt Ihnen das bekannt vor? Der FC Bayern spielt eine äußert erfolg­lose Saison, holt einen neuen Trainer und inves­tiert Mil­lionen in neue Spieler. Nein, wir spre­chen nicht von einem Jahr des jet­zigen Jahr­tau­sends, son­dern vom Jahr 1992. Erich Rib­beck wird Trainer beim FC Bayern, der Verein gibt 23,5 Mil­lionen Mark für Spieler wie Thomas Helmer, Mehmet Scholl, Jor­g­inho und Rück­kehrer Lothar Mat­thäus aus.

In Erin­ne­rung an diese Saison blieb vor allem die Aus­sage Rib­becks, nicht unbe­dingt Deut­scher Meister werden zu müssen – womit er ein­drucks­voll unter Beweis stellte, nicht beson­ders viel von der baju­wa­ri­schen »Mia san mia«-Mentalität zu halten. Am Ende der Saison wurde er tat­säch­lich nur Zweiter hinter Werder Bremen.

In der dar­auf­fol­genden Saison war es die Auf­gabe von Rib­beck, den Meis­ter­titel zu holen. Nach einer durch­wach­senen Hin­runde aller­dings lag die Mann­schaft – punkt­gleich mit dem MSV Duis­burg – nur auf Platz zwei der Tabelle. Immer wieder wurde Rib­beck ange­feindet, was letzt­lich dazu führte, dass er am 27. Dezember seinen Rück­tritt erklärte. Es über­nahm: Franz Becken­bauer. Der holte in der Rück­runde genauso viele Punkte wie Rib­beck in der Hin­serie – nur war der FC Bayern plötz­lich auf Platz eins in der Tabelle. Becken­bauer trat zurück, löste Fritz Scherer als Prä­si­dent ab und ver­pflich­tete einen neuen Trainer.
Gio­vanni Tra­pat­toni (1.7.1994 – 30.6.1995)

Nein, die erste Amts­zeit von Gio­vanni Tra­pat­toni auf der Bayern-Bank endete nicht, weil ihn die Spieler so sehr erzürnten, dass er all diese schönen Satz­frag­mente wie »Was erlauben Strunz?«, »Ware schwach wie eine Fla­sche leer« und »Ich habe fertig« von sich geben musste.

Das geschah erst in seiner zweiten Amts­zeit – man ver­gisst das manchmal, weil sich diese Satz­frag­mente so anhören, als habe da einer gerade erst mit dem Sprach­er­werb begonnen und weil man noch im Ohr hat, wie die Bayern-Chefs Tra­pat­tonis zweite Bayern-Amts­zeit mit den Worten ein­läu­teten, der Ita­liener habe in der Zwi­schen­zeit viel Deutsch gelernt.

Nun ja, zurück also zur ersten Tra­pat­to­ni­schen Phase in Mün­chen, bei der die Ver­ant­wort­li­chen wohl heute noch nicht so recht wissen, was sie mit ihr anfangen sollen. Im Pokal schei­terte der FC Bayern in der ersten Runde an der Spiel­ver­ei­ni­gung Ves­ten­bergs­greuth, in der Bun­des­liga setzte es eine 1:5‑Niederlage beim SC Frei­burg. Im Olym­pia­sta­dion unterlag der FC Bayern dem Karls­ruher SC mit 0:1.

In der Cham­pions League aller­dings führte Tra­pat­toni den FC Bayern ins Halb­fi­nale – wo die Mann­schaft im Rück­spiel Ajax Ams­terdam mit 2:5 unterlag. Nur weil Glad­bach Pokal­sieger wurde, schaffte der FC Bayern durch den sechsten Platz noch den Sprung in den Uefa-Cup – der von Franz Becken­bauer von diesem Moment an in den »Cup der Ver­lierer« umbe­nannt wurde.
Otto Reh­hagel (1.7.1995 – 27.4.1996)Als Otto Reh­hagel am 1. Juli 1995 seinen Dienst antrat, jubi­lierte der Kaiser. Den besten und erfolg­reichsten Trainer der Repu­blik habe er nach Mün­chen gelotst, freute sich Bay­erns Prä­si­dent Franz Becken­bauer. Knapp zehn Monate später war die Freude dahin: Nach der 0:1‑Niederlage in Ros­tock ent­ließen die Münchner Reh­hagel – und es über­nahm für wenige Wochen der ein­zige Mann, der in der Welt von Franz Becken­bauer noch besser und noch erfolg­rei­cher war als Otto Reh­hagel, es über­nahm Franz Becken­bauer selbst.

Dazwi­schen lag eine Zeit, in der die Öffent­lich­keit dabei zuschauen konnte, wie Reh­hagel geschei­tert wurde. Wäh­rend bei Reh­ha­gels Amts­an­tritt noch »Otto find ich gut« als Motto galt, kamen bald die Vor­würfe: Er habe ein großes Manko an tak­ti­schem Wissen, sei zu kon­flikt­scheu, könne seine Auto­rität nicht ein­setzen wie in seiner erfolg­rei­chen Zeit in Bremen, ver­nach­läs­sige den kon­di­tio­nellen Zustand des Teams sowie die Nach­wuchs­ar­beit, und vor allem: Er agiere ein­fach unge­schickt im Umgang mit all den Medien und mit all den Stars, die der FC Bayern so um sich ver­sam­melt hatte.

Die Mann­schaft jeden­falls respek­tierte das selbst­er­nannte »Kind der Bun­des­liga« wohl nie. Im Sep­tember 1995 sagte Jean-Pierre Papin: »Das Pro­blem ist der Trainer, ich brauche eine Erklä­rung, wenn ich nicht spiele. Aber er spricht ja nicht mit uns.« Im Oktober sagte Mehmet Scholl: »Wir spielen seit acht Wochen und haben noch immer keine Taktik.« Im November 1995 war dann Ciriaco Sforza an der Reihe: »Solche (tak­ti­schen) Sachen muss man trai­nieren, Pres­sing nach Ball­ver­lust und den Gegner unter Druck setzen. Wenn wir eine große Mann­schaft werden wollen, müssen wir das üben, das ist Sache des Trai­nings.«

All die Quer­schüsse, all die Becken­bauers, Hoeneß und Rum­me­nigges, all die Mat­thäus, Hel­mers und Kahns, die Sforzas, Scholls und Her­zogs, die Klins­manns, Papins und Kosta­di­nows, und dazu noch all die Bilds, AZs und krei­schenden Teenie-Massen am Trai­nings­zaun, das war nicht Reh­ha­gels Welt, der sich in seinem über­schau­baren Bremer Biotop mit Rune Bratseth, Wynton Rufer und dem Weser-Kurier voll­kommen zu begnügen wusste.

Des­wegen endete seine Zeit in Mün­chen ziem­lich rasch: Reh­hagel bekam den­noch Genug­tuung – aus­ge­rechnet durch seinen alten Verein Werder Bremen, der nach 0:2‑Rückstand noch 3:2 gewinnen konnte und so dem FC Bayern die Meis­ter­schaft ver­mas­selte.
Gio­vanni Tra­pat­toni, zweite Amts­zeit (1.7.1996 – 30.6.1998)

Was von der zweiten Amts­zeit des ita­lie­ni­schen Star­trai­ners blieb? Zwei Bege­ben­heiten: Am 10. Mai 1997 wech­selte er beim Spiel gegen den dama­ligen Tabel­len­letzten SC Frei­burg (0:0) nach 80 Minuten den Ver­trags­ama­teur Carsten Lakies ein. Das wäre nicht weiter schlimm gewesen, der Aus­ge­wech­selte war jedoch Jürgen Klins­mann. Der beschimpfte Tra­pat­toni laut­hals mit »vai a cagare« (»geh kacken«) und trat wut­ent­brannt auf eine Wer­be­tonne ein.

Die zweite Sache? Nun ja, der Trainer hielt eine kleine Rede. Hier ist sie im Wort­laut:

»Es gibt im Moment in diese Mann­schaft, oh, einige Spieler ver­gessen ihnen Profi was sie sind. Ich lese nicht sehr viele Zei­tungen, aber ich habe gehört viele Situa­tionen: Wir haben nicht offensiv gespielt. Es gibt keine deut­sche Mann­schaft spielt offensiv und die Namen offensiv wie Bayern. Letzte Spiel hatten wir in Platz drei Spitzen: Elber, Jan­cker und dann Zickler. Wir mussen nicht ver­gessen Zickler. Zickler ist eine Spitzen mehr Mehmet e mehr Basler. Ist klar diese Wörter, ist mög­lich ver­stehen, was ich hab‘ gesagt? Danke. Offensiv, offensiv ist wie machen in Platz.

Ich habe erklärt mit diese zwei Spieler: Nach Dort­mund brau­chen viel­leicht Halb­zeit­pause. Ich habe auch andere Mann­schaften gesehen in Europa nach diese Mitt­woch. Ich habe gesehen auch zwei Tage die Trai­ning. Ein Trainer ist nicht ein Idiot! Ein Trainer sehen was pas­sieren in Platz. In diese Spiel es waren zwei, drei oder vier Spieler, die waren schwach wie eine Fla­sche leer!

Haben Sie gesehen Mitt­woch, welche Mann­schaft hat gespielt Mitt­woch? Hat gespielt Mehmet, oder gespielt Basler, oder gespielt Tra­pat­toni? Diese Spieler beklagen mehr als spielen! Wissen Sie, warum die Ita­lien-Mann­schaften kaufen nicht diese Spieler? Weil wir haben gesehen viele Male solche Spiel. Haben gesagt, sind nicht Spieler für die ita­lie­ni­sche Meis­ters.

Strunz! Strunz ist zwei Jahre hier, hat gespielt zehn Spiele, ist immer ver­letzt. Was erlauben Strunz? Letzte Jahre Meister geworden mit Hamann eh … Ner­linger. Diese Spieler waren Spieler und waren Meister geworden. Ist immer ver­letzt! Hat gespielt 25 Spiele in diese Mann­schaft, in diesem Verein! Muss respek­tieren die andere Kol­legen! Haben viel nette Kol­legen, stellen sie die Kol­legen in Frage! Haben keinen Mut an Worten, aber ich weiß, was denken über diese Spieler!

Mussen zeigen jetzt, ich will, Samstag, diese Spieler mussen zeigen mich e seine Fans, mussen allein die Spiel gewinnen. Ich bin müde jetzt Vater diese Spieler, eh, ver­tei­dige immer diese Spieler! Ich habe immer die Schulde über diese Spieler. Einer ist Mario, einer, ein anderer ist Mehmet! Strunz dagegen egal, hat nur gespielt 25 Pro­zent diese Spiel! Ich habe fertig!«
Felix Magath (1.7.2004 – 31.1.2007)

Soll man die Ära eines Trai­ners, dem es zum ersten Mal in der Geschichte der Bun­des­liga gelang, das Double zu ver­tei­digen, tat­säch­lich als geschei­tert bezeichnen? Felix Magath gewann in seiner ersten Saison als Trainer des FC Bayern sowohl Meis­ter­schaft als auch den DFB-Pokal und konnte den Erfolg in der darauf fol­genden Saison wie­der­holen.

Es waren wohl die Ergeb­nisse in der Cham­pions League, die die Ver­ant­wort­li­chen stutzig werden ließen. In der Saison 2004/2005 schei­terte der FC Bayern im Vier­tel­fi­nale am FC Chelsea (2:4/3:2), wobei das scheinbar knappe Ergebnis über die wahren Kräf­te­ver­hält­nisse hin­weg­täuschte. Eine Spiel­zeit später unter­lagen die Münchner im Rück­spiel des Ach­tel­fi­nales beim AC Mai­land mit 1:4 – was die Ver­ant­wort­li­chen wohl zu der Über­zeu­gung kommen ließ, dass der FC Bayern inter­na­tional nicht kon­kur­renz­fähig sei.

In der Saison 2006/07 bekam der FC Bayern dann auch in der Bun­des­liga Pro­bleme. Zur Win­ter­pause lag die Mann­schaft auf Platz drei, am ersten Spieltag der Rück­runde gab es eine 2:3‑Niederlage in Dort­mund, vier Tage später ein 0:0 gegen Bochum. Die Ver­ant­wort­li­chen ent­ließen Magath nach diesem Spiel und ver­pflich­teten erneut Ottmar Hitz­feld.

Magath wurde Trainer beim VfL Wolfs­burg und steht der­zeit auf Platz eins der Tabelle. Vor dem Spiel gegen den FC Bayern erklärte er, dass ein Sieg eine »außer­or­dent­liche Genug­tuung« wäre. Wolfs­burg gewann das Spiel mit 5:1 – danach gab Magath den beschei­denen Sieger.
Ottmar Hitz­feld (1.2.2007 – 30.6.2008)

Nein, über die erste Amts­zeit von Ottmar Hitz­feld beim FC Bayern darf man nichts Nega­tives sagen. Er führte die Mann­schaft zwei Mal ins Finale der Cham­pions League, 2001 gewannen die Münchner die Tro­phäe gegen den FC Valencia. Vier Mal wurde er Deut­scher Meister.

Die erneute Ver­pflich­tung von Hitz­feld am 1. Februar 2007 indes wurde von vielen Experten kri­tisch beäugt, da die Ver­ant­wort­li­chen den Trainer 2004 mit der Begrün­dung ent­ließen, er sei aus­ge­brannt gewesen. Franz Becken­bauer erklärte jedoch, dass Hitz­feld nun genug Zeit hatte, sich zu erholen und nun wieder fit sei für den Trai­ner­posten beim FC Bayern.

Die Saison 2006/07 konnte Hitz­feld indes nicht mehr retten, die Mann­schaft erreichte nur den vierten Platz in der Bun­des­liga. In der Som­mer­pause dann öff­neten die Ver­ant­wort­liche die »Schatz­kiste« und inves­tierten eine Rekord­summe von rund 70 Mil­lionen Euro in den Umbau der Mann­schaft – unter anderem wurden Franck Ribéry, Miroslav Klose und Luca Toni ver­pflichtet.

Ottmar Hitz­feld schaffte den Gewinn des Dou­bles, schei­terte im Halb­fi­nale des Uefa-Cups jedoch deut­lich an Zenit St. Peters­burg. Nach dem 1:1 im Hin­spiel schmerzte vor allem die 0:4‑Niederlage beim spä­teren Gewinner des Wett­be­werbs. Hitz­feld wurde als Ver­walter kri­ti­siert, er wech­selte als Trainer zur Natio­nal­mann­schaft der Schweiz. Neuer Trainer beim FC Bayern: Jürgen Klins­mann. Ob dessen Zeit beim FC Bayern als erfolg­reich oder geschei­tert betrachtet wird, lässt sich der­zeit noch nicht beur­teilen.