Bob der Abreißer – 11FREUNDE

Es wirkt nicht, als seien an diesem Dezem­ber­abend tat­säch­lich 1.953 Men­schen in die Kre­felder Gro­ten­burg gekommen. Das Sta­dion ver­schluckt sie. Bei einem ursprüng­li­chen Fas­sungs­ver­mögen von gut 34.500 nun wirk­lich kein Wunder. Wäh­rend sich die hei­mi­schen Uer­dingen-Fans durch das 2:1 gegen den VfB Hom­berg von der Leere ablenken lassen, atmen die anwe­senden Ground­hopper die Fuß­ball­ro­mantik. Ob ihnen ein Detail auf dem KFC-Trikot auf­fällt? Unklar. Dabei ist es das wohl wich­tigste Detail an diesem Abend. Anstatt den Namen von Haupt­sponsor ​dasbob“ in die Ober­liga-Welt zu tragen, stellen die KFC-Akteure seit einigen Wochen nur noch einen dun­kel­blauen Kle­be­streifen zur Schau.

Der Sieg über Hom­berg bedeu­tete für den ambi­tio­nierten KFC den Anschluss an die erwei­terte Tabel­len­spitze der Ober­liga Nie­der­rhein. Und das pünkt­lich zur Win­ter­pause. Bedeu­tender aber bleibt auch Wochen später der besagte Kle­be­streifen. Das zeigt sich zu Jah­res­be­ginn nicht etwa in Kre­feld, son­dern in Frank­furt. In einem Raum, dessen weiß-graue Ste­ri­lität bes­tens zur Finanz­me­tro­pole passt, spre­chen Ver­eins-TV-Host Chris und KFC-Finanz­vor­stand Bernd Lim­berg über ein Thema, das wie­derum zum KFC passt: eine dro­hende Insol­venz. Es wäre die fünfte der Ver­eins­ge­schichte. ​500.000 brau­chen wir jetzt und nicht am 30. Mai“, sagt Lim­berg. Er meint Gelder, die vom Haupt­sponsor hätten kommen sollen. Zeit, den Laden dicht zu machen?

Und es geht schon wieder los

Nun sind arge Finanz­nöte beim KFC Uer­dingen in den ver­gan­genen Jahren kaum noch eine Mel­dung wert gewesen. Doch scheint die Gemenge­lage dieses Mal eine andere zu sein. Immerhin ist der­zeit kein finanz­kräf­tiger Son­nen­könig à la Mikhail Pono­marev am Werk. Immerhin scheint sich aktuell eine Ver­eins­füh­rung gefunden zu haben, die die Rea­lität beim KFC wei­test­ge­hend aner­kennt. Nur: Zwi­schen Investor Pono­marev, der die Kre­felder mit seinem Abschied zu Dritt­liga-Zeiten in die vierte Insol­venz stürzte und dem Status quo liegt eine Zeit­spanne, die für neue Fehl­ent­schei­dungen genutzt wurde. In dieser Zeit unter anderem am Werke: Klub­chef Damien Raths.

Der Luxem­burger schien zeit­weise der rich­tige Mann am rich­tigen Ort, fiel dann aber durch eine dürf­tige Per­so­nal­po­litik, den Absturz in die Ober­liga und auch den Abschluss des Spon­so­ren­ver­trags mit ​dasbob“ auf. Eine Part­ner­schaft über sieben Jahre, 500.000 Euro pro Saison – zu schön, um wahr zu sein. Eben. Im Mai 2023 ver­ließ Rath den Verein, der Sponsor blieb. Und der Sponsor zahlte nicht. Der Rest ist schnell erzählt. Kurz vor Jah­res­ende kün­digte der KFC den Ver­trag mit dem Online-Händler, der sich nicht weniger auf Fahne und Home­page geschrieben hat, als ​die Gesell­schaft zu ver­än­dern“. Eine fol­ge­rich­tige wie fol­gen­schwere Ent­schei­dung. Lim­berg: ​Mit den 500.000 sind wir in der Lage, die Saison fertig zu spielen, durch­zu­kommen und auch Alt­ver­bind­lich­keiten zu tilgen.“ Und ohne die 500.000 nun einmal nicht.

Sicher, es kann nicht nur die Blau­äu­gig­keit Raths‘ gewesen sein, die den KFC zu einem Deal mit dem nächsten dubiosen (ver­meint­li­chen) Geld­geber führte. Auch Vor­stands­mit­glieder und Auf­sichtsrat müssen sich hin­ter­fragen. Einige sind nach wie vor im Amt. Zudem schoss Oberbob Frank Spa­so­jevic nach der Kün­di­gung zurück, warf der Ver­eins­füh­rung vor, gegen­über ​dasbob“ gelogen zu haben. Doch ändert das nichts an der Tat­sache, dass das Geld an den Laden kommen muss. Und zwar umge­hend. Laut Lim­berg sind mit der Kün­di­gung des Spon­so­ren­ver­trages ver­schie­dene Pläne ange­laufen. Nach­zu­ver­folgen ist das auf der Klub-Web­site, auf der der­zeit die Logos von ​gofundme“ und ​Paypal“ domi­nieren. Dahinter ste­cken Spen­den­ak­tionen, die treue Fans ins Leben gerufen haben.

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