Das deutsche Gewissen – 11FREUNDE

1.
Laptop gesucht! Im Zuge der Über­sied­lung nach Istanbul wurde Daum auf dem Düs­sel­dorfer Flug­hafen sein Rechner gemopst. Schlimmer noch: Anschlie­ßend mel­deten sich die ver­meint­li­chen Diebe, hatten aber kein Täter­wissen parat: ​Es gab einen Anruf, und dabei wurde der Laptop ange­boten“, gab Rechts­an­walt Stefan Seitz zu Pro­to­koll. Tritt­brett­fahrer? ​Kann man nicht aus­schließen.“

2.
Als Uli Hoeneß Daum 2000 vor­warf, er habe ein Dro­gen­pro­blem, reagierte Daum wie ein in Not gera­tenes Jus­tiz­opfer. Er habe ​ein absolut reines Gewissen“, ver­kün­dete er melo­dra­ma­tisch, er werde des­halb seine Haare auf Kokain unter­su­chen lassen. Die Probe fiel dum­mer­weise positiv aus, und Daum ver­schwand mit unbe­kanntem Ziel, also nach Flo­rida.

3.
Zu einem bizarren Event geriet Daums Pres­se­kon­fe­renz nach seiner Rück­kehr. Vor hun­derten Jour­na­listen und Kameras (u.a. Nach­rich­ten­sender ​Viva“) gab Daum den leut­se­ligen Con­fé­ren­cier und musste grinsen, als er die Affäre rekon­stru­ierte: ​Und zur Haar­ana­lyse muss ich im Nach­hinein sagen, das war ein Fehler.“

4.
In Lever­kusen trug Daum für ein Spiel einen knall­blauen Anzug und wurde gleich eso­te­risch: ​Diese Farbe strahlt posi­tive Energie aus.“ Harald Schmidt wit­zelte damals: ​Zur Erklä­rung: der blaue Anzug ist Chris­toph Daum, und der Blaue im Anzug ist Ger­hard Mayer- Vor­felder.“

5.
Fern­seh­ge­schichte schrieb Daum, als er sich als Trainer des 1. FC Köln mit Bayern-Coach Jupp Heyn­ckes und Mün­chens Manager Uli Hoeneß zum Duell im Aktu­ellen Sport­studio traf. Daum hatte sich zuvor despek­tier­lich über Heyn­ckes geäu­ßert. Am Ende sang das Publikum ​Zieht den Bayern die Leder­hosen aus“, Meister wurde trotzdem der FC Bayern.

6.
Merk­wür­dige Ansichten über das Wesen der Homo­se­xua­lität offen­barte Daum in einer TV-Doku­men­ta­tion: ​Da wird es sehr deut­lich, wie sehr wir dort auf­ge­for­dert sind, gegen jeg­liche Bestre­bungen, die da gleich­ge­schlecht­lich aus­ge­prägt ist, vor­zu­gehen.“ Und ganz wichtig: ​Ich würde den Schutz der Kinder über jeg­liche Libe­ra­li­sie­rung stellen.“ Was das eine mit dem anderen zu tun hat, wusste Daum nicht zu erläu­tern.

7.
Nach wie vor geheim­nis­um­wit­tert ist Daums Ent­las­sung beim 1. FC Köln im WM-Jahr 1990. FC-Prä­si­dent Art­zinger-Bolten fuhr extra nach Ita­lien, um dort der kon­ster­nierten Presse die Tren­nung mit­zu­teilen – ohne wei­tere Begrün­dung. Erst zehn Jahre später, im Zuge der Kokain-Affäre, trat Art­ziner-Bolten noch mal nach: ​Ich fühle mich bestä­tigt, daraus können Sie Ihre Schlüsse ziehen.“

8.
Mit dem VfB Stutt­gart kam Daum zu einem merk­wür­digen Kick im Camp Nou in Bar­ce­lona. Weil Daum im Euro­pa­po­kal­spiel gegen Leeds einen damals nicht erlaubten vierten Aus­länder ein­ge­wech­selt hatte, ver­ord­nete die UEFA ein Ent­schei­dungs­spiel. In Bar­ce­lona inter­es­sierte sich nie­mand für den Kick, der VfB schied aus.

9.
2007 wit­terte Daum die ganz große Ver­schwö­rung von CIA, BKA, AOK und Schieds­rich­ter­gilde gegen den 1. FC Köln. Nach einer 0:1‑Niederlage gegen Aachen bel­ferte er: ​Die Schieds­richter greifen immer mehr spiel­ent­schei­dend ein. Solange ich beim 1. FC Köln bin, fallen die meisten Ent­schei­dungen gegen uns. Das werde ich nicht mehr hin­nehmen.“ Was er hin­nehmen musste: zwei Spiele Sperre und 10 000 Euro Geld­strafe.

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10.
In der Win­ter­pause der Saison 1990/91 ersetzte Daum Willi Enten­mann beim VfB Stutt­gart. Und machte gleich den großen Otto. ​Wir kommen noch in den Uefa-Cup! Dafür arbeite ich 25 Stunden am Tag“, ver­sprach der zeit­lose Trainer. Und siehe da: Von Platz 15 führte Daum die Schwaben auf Platz vier – einen Uefa-Cup-Platz. Und er hatte jede Menge Über­stunden gesam­melt.

11.
Zu seiner Zeit als Lehr­amts­stu­dent in den wilden Sieb­zi­gern war Daum bereits ver­hei­ratet und hatte einen Hund. Weil er den Köter, Filou genannt, hüten musste, packte er den Cocker­spa­niel in eine Sport­ta­sche und nahm ihn mit in die Vor­le­sungen. ​Schwierig war es bei den langen Klau­suren. Alles musste mucks­mäus­chen­still sein, auch mein Filou. Da habe ich ihm einen Hun­de­kno­chen zuge­steckt und eine Tasse Wasser nach­ge­schoben.“

12.
Filou ist inzwi­schen den Weg alles Irdi­schen gegangen. Schnüff bzw. Wuff. Sein Nach­folger: ​Fami­li­en­hund Löf­fel­chen“.

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