„Das Rauf und Runter der Eintracht nervt“

Herr Fischer, wie zufrieden sind Sie mit Ein­tracht Frank­furt?
Dieses Rauf und Runter, mal im Mit­tel­feld, dann wieder abstiegs­be­droht, das nervt! Aber es reflek­tiert auch die gene­relle Situa­tion in der Bun­des­liga, wo seit einiger Zeit das einzig Span­nende der Abstiegs­kampf ist und nicht mehr die Meis­ter­schaft. Die Ein­tracht ist mitt­ler­weile mehr oder weniger abge­hängt im Mit­tel­feld. Sie kann natür­lich mal gewinnen, nur eben nicht mehr Meister werden. Das kann offen­sicht­lich nur noch Bayern.

Das klingt so, als sei Ihr Zorn auf Heri­bert Bruch­hagen inzwi­schen ver­raucht, dem Sie zu Sai­son­be­ginn noch einen ​nied­rigen Hori­zont“ beschei­nigten, weil er als Vor­stands­chef der Ein­tracht das Mit­telmaß als Sai­son­ziel aus­ge­geben hatte.
Wenn ich gewusst hätte, dass er sen­sible Hüh­ner­augen hat, hätte ich den Satz nie gesagt.

Er hat Sie dar­aufhin im Hin­blick auf Ihre Ver­ei­di­gung als Umwelt­mi­nister in Hessen 1985 ​Clown mit Turn­schuhen“ genannt.
Belassen wir es dabei: Ich wün­sche ihm und vor allem der Ein­tracht alles Gute, viel­leicht auch mal jen­seits eines Mit­tel­feld­platzes.

Schauen Sie viel Fuß­ball?
Ich war 2006 für ein Jahr in Ame­rika und das war eine tolle Zeit, aber die Bun­des­liga habe ich dort sehr ver­misst. Als ich zurückkam, habe ich mir dann ein Pay-TV-Abo geleistet und schaue wirk­lich viel, das kann ich offen zugeben. Bun­des­liga natür­lich, Cham­pions League, und ich finde auch den eng­li­schen Ver­eins­fuß­ball span­nend, denn die Pre­mier League hat in einem hohen Maße den glo­balen Fuß­ball defi­niert und mit ent­wi­ckelt.

Sollte sich die Bun­des­liga daran ori­en­tieren?
Nein, ich finde es schon gut, dass sie ihren eigenen Stil hat. Ich weiß aber nicht, ob es gut ist, wenn auf Dauer der Abstiegs­kampf das eigent­lich Span­nende ist.

Erklärbar ist das, wenn der Per­so­nal­etat des FC Bayern größer ist als der von Schalke und Dort­mund zusammen.
Aber die Bayern hatten eben einen Uli Hoeneß, der bei Zeiten ​out of the box“ gedacht hat. Er hat das Ganze auf eine wirt­schaft­lich pro­spe­rie­rende Grund­lage gestellt. Warum andere Ver­eine mit ähn­li­chen Vor­aus­set­zungen das nicht geschafft haben, bleibt für mich die Frage. Wenn ich nur an die Gene­ra­tion Gra­bowski und Höl­zen­bein in Frank­furt zurück­denke oder die Super­mann­schaft mit Bein, Yeboah und Jay-Jay Okocha. Das Video guck ich mir immer noch gerne an, wie er den Olli Kahn und den KSC bezwingt. Da muss man am Ende die Augen jus­tieren, weil er alle schwin­delig spielt. Aber letzt­lich hat die Ein­tracht die Meis­ter­schaft immer ver­passt, ich will gar nicht mit Ros­tock 1992 anfangen.

Gucken Sie Ein­tracht Frank­furt heute in der Kon­fe­renz oder im Ein­zel­spiel?
Kon­fe­renz.

Gibt es Mann­schaften, die Sie lieber im Ein­zel­spiel gucken?
Vor der Win­ter­pause hat mich Borussia Dort­mund sehr beschäf­tigt. Ich konnte mich in meiner langen Zeit als Fuß­ballfan an keinen ver­gleich­baren Absturz erin­nern.

Der 1. FC Nürn­berg ist 1969 als Deut­scher Meister sogar abge­stiegen.
Aber das war doch eine andere Zeit, gefühlt fast noch Ober­liga.

Gibt es in der Politik Gurus, die sich ver­brau­chen?
In der Politik ist es üblich, dass sich eine Bot­schaft oder auch Per­sonen ver­brau­chen, das können Sie mit Fuß­ball nicht ver­glei­chen. Über­haupt sind das völlig unter­schied­liche Themen: Fuß­ball ist die herr­lichste Neben­sache und Politik die wich­tigste Haupt­sache der Welt.

Sehen Sie über­haupt keine Par­al­lelen?
Es gibt viel­leicht ähn­liche Phä­no­mene. Etwa, wie Borussia Dort­mund mit dem Erfolg der letzten Jahre umge­gangen ist und wie der FC Bayern. Ich habe über viele Jahre immer wieder beob­achtet, dass ein Minis­ter­prä­si­dent in seinem Bun­des­land die abso­lute Mehr­heit holt und es dann heißt: ​Der muss Bun­des­kanzler werden.“ Die Anfor­de­rungen, die ein Bun­des­kanzler bewäl­tigen muss, und ich habe das sieben Jahre lang bei Ger­hard Schröder aus der Nähe beob­achten dürfen, sind aber nicht mit denen an einen Minis­ter­prä­si­denten zu ver­glei­chen. Es ist ein Unter­schied, ob man einen Fünf­tau­sender besteigt oder auf einem Acht­tau­sender in die ​Todes­zone“ kommt, wie die Berg­steiger das nennen. Ich habe viele ​Talente“ dort oben im Eis fest­frieren sehen.

In dieser Ana­logie wäre der BVB ein Berg­steiger, der auf dem Weg ganz nach oben in Pro­bleme geraten ist, wäh­rend sich die Bayern dort sicher bewegen?
Ja, um sich so lange hoch oben zu halten, braucht man ganz beson­dere Fähig­keiten. Für Gefüh­lig­keit ist da wenig Platz, es geht um Macht­ra­tio­na­lität. Anders kann man auf Dauer nicht erfolg­reich sein.

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