Wir haben ja schon vieles gesehen. Enthemmte Frauen, die sich das Kürzel ihres geliebten Prominenten auf die Brüste kritzeln lassen, Fußballer, die Autogrammkarten verteilen, auf denen sie aussehen wie Schlagersänger von der Ostseeküste – aber was ein Fan des 1. FC Köln im Herbst 2013 zustande brachte, sprengte dann doch unsere Vorstellungskraft. Der gute Mann ließ sich die Unterschrift von Marcel Risse auf die Wade tätowieren. Und zwar von Marcel Risse selbst. Und wir fragen uns, was das eigentlich Verrückte an dieser Story ist: Dass sich jemand ein Tattoo von einem Amateur stechen lässt, dass jemand Marcel Risse als Lieblingsspieler auserkoren hat oder dass man überhaupt auf eine solche Idee kommt? Wer eine Antwort weiß, kann sie uns gerne auf den Steiß tätowieren. PS: Und es macht die Sache nicht besser, dass der Fan als Tätowierer arbeitet!
Unser Kölner würde sich bestimmt gut mit diesem Mann verstehen: Felipe Alvarez, Kolumbianer und Fan von Atlético Nacional. Der ließ sich 2010 das komplette Trikot seines Leib- und Magenklubs auf den Oberkörper stechen, als Trikotnummer wählte Alvarez die Nummer 2 – eine Hommage an Atletico-Legende Andres Escobar, der nach seinem Eigentor bei der WM 1994 auf offener Straße erschossen worden war. Nie mehr Hemden tragen, irgendwie auch toll.
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Die Friedel-Rausch-wird-vom-Schäferhund-gebissen-Anekdote unter den Tattoo-Geschichten ist jene von Claudia Effenberg, die sich einst, von Liebe zu ihrem Stefan berauscht, den grammatikalisch nicht ganz sauberen Satz „True love never die“ auf den Spielerfrauen-Körper stechen ließ. Das männliche Pendant kommt aus England, genauer gesagt aus dem Norden Englands. Dort, wo man sich offenbar erst mit dem Tätowierer seines Vertrauens die Lichter ausschießt, bevor man sich unter die Nadel legt. Oder gibt es eine bessere Erklärung für jenen Herren, der sich „Eeverton“ auf den Rücken malen ließ? PS: He, she, it – das s muss mit!
Ein Sympathisant der englischen Nationalmannschaft hatte kein Scheu, sich auch das letzte Stückchen Gesichtshaut vollmalen zu lassen, um seine patriotische Gesinnung in der Öffentlichkeit zu dokumentieren. Guter Hinweis eines „Daily Mail“-Redakteurs: „Just don´t ask him who he supports!“
Oberstes Gebot für Fans des runden Leders und der unter die Haut geschnitzten Liebesbotschaften: Fußballer sind Legionäre, die an einem Tag ihr Wappen küssen, als wäre es eine Leckmuschel und am nächsten Tag den Wechsel zum größten Erzrivalen verkünden. Merke: Man kann sich auf Fußballer nicht verlassen, wenn es darum geht, ob sie dem Herzensklub treu bleiben oder nicht. Ein Anhänger von Newcastle United ignorierte 1995 dieses oberste Gebot gekonnt und ließ sich ein Portrait von Andy Cole auf den Oberschenkel malen. Statt sich bei besagten Fan mit einem Tässchen Tee für die Zuneigung zu bedanken, machte sich Cole vom Acker und heuerte exakt einen Tag nach der Tattoo-Vollendung bei Manchester United an. Doch unser Mann handelte professionell, ließ seinen Stecher noch einmal ran, um das Foto zu überarbeiten und erklärte anschließend, es handele sich um einen Liebesbeweis an Neuzugang Les Ferdinand, der in der Tat eine gewisse Ähnlichkeit mit Cole nicht abstreiten kann. Ferdinand erlebte bei Newcastle dann auch tatsächlich die beste Zeit seiner Karriere, wurde 1996 von seinen Kollegen zu „Englands Fußballer des Jahres“ gewählt und erzielte in 68 Spielen 41 Tore. Dann zog auch er weiter. Was aus dem Tattoo wurde ist leider nicht bekannt.
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Ach ja, Fußball-Wetten im Vollrausch. Der Autor dieser Zeilen wäre fast in den Genuss einer Werder-Bremen-Raute auf seiner Brustplatte geworden, doch der legendäre Patzer von Tim Wiese im Champions-League-Achtelfinale 2006 gegen Juventus Turin machte diesem einer Wette zugrunde liegenden Körperschmuck einen Strich durch die Rechnung. Deshalb hat er auch vollstes Verständnis für jenes Malheur, das einem Manchester-City-Fan 2009 passierte. Der wettete, möglicherweise von den frisch in seinen Klub hineingepumpten Scheich-Millionen nachhaltig irritiert, dass sein Verein 2011 die Champions League gewinnen werde. Was der nicht tat (sondern stattdessen im Europa-League-Viertelfinale gegen Dynamo Kiew ausschied). Doch Wettschulden sind bekanntermaßen Ehrenschulden, also zog unser Mann die Sache durch: Und ließ sich die Champions-League-Trophäe samt Untertitel „Manchester City 2011 champions league winners“ auf den rechten Oberarm tätowieren. Zeitlos.
Vielleicht sollte unser Wettverlierer mal darüber nachdenken, einen City-eigenen Gesprächskreis der „Anonymen Tattoo-Opfer“ ins Leben zu rufen. Ganz bestimmt von Anfang an dabei wäre Chris Atkinson, der 2009 so dermaßen davon überzeugt war, dass Brasiliens Superstar Kaká zu den Citizens wechseln würde, dass er sich dessen Namen auf die Brust stechen ließ. Kaká verließ tatsächlich den AC Mailand – um bei Real Madrid anzuheuern.
Dem 20-jährigen Dominic Pearson muss man immerhin zugute halten, dass er sich für seine Hommage an Liverpool-Mann Kolo Toure nicht die Stirn, das Nasenbein oder den Hinterkopf aussuchte, sondern den Spann seines rechten Fußes. Was allerdings nichts an der Tatsache änderte, dass Pearson sich 2013 offenbar einen a) Nicht-Fußball-Fan, b) Manchester-United-Sympathisanten oder c) Legastheniker als Tätowierer auserkoren hatte. Der kritzelte ihm kurzerhand „Kolo Touro“ auf den Fuß. Toure reagierte angemessen, postete den Rechtschreibfehler bei Twitter und bot kurzerhand an, seinen Namen ändern zu lassen. Unbestätigten Gerüchten zufolge heißt Toure bis heute Toure.
Jüngstes Opfer der Kombination „Fan + große Fresse = dumme Wette“ ist der Engländer Lee Mitchell, der vor dem FA-Cup-Spiel des FC Chelsea gegen Derby County vollmundig bekannt gab, sich das Chelsea-Logo oder den Namen von John Obi Mikel auf den Hintern tätowieren zu lassen, falls der notorisch torungefährliche Mittelfeldmann in diesem Spiel ein Tor erzielen werde. Nun, Mikel erzielte tatsächlich Tor Nummer vier in seinem mittlerweile achten Jahr für den Londoner Traditionsklub und Mitchell musste blank ziehen. Er entschied sich übrigens für den Namen und gegen das Wappen.
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2007 dachte sich ein junger Anhänger der Boca Juniors, dass es jetzt an der Zeit sei, sich das Wappen seines Vereins auf den Rücken tätowieren zu lassen und zog los, um ein geeignetes Tattoo-Studio zu suchen. Er fand eins, machte sich oben rum frei, ließ sich bemalen und zahlte artig einen nicht gerade geringen Preis. Der Tätowierer überklebte sein Kunstwerk mit einem großen Pflaster und bat seinen Kunden, es noch zwei Tage über der frischen Stecherei liegen zu lassen. Dann verabschiedete er sich – und zog vermutlich in eine andere Stadt. Denn als der junge Mann zwei Tage später vor den Augen seiner Eltern und seiner Freundin das Pflaster lüftete, um den neuen Körperschmuck zu präsentieren, prangte ein riesengroßer Penis auf seinem Rücken. Der Tätowierer, so stellte sich schnell heraus, war seinerseits glühender Fan des Boca-Rivalen River Plate.