„Es ist masochistisch“ - Arvid Schenk über sein… – 11FREUNDE

Arvid Schenk, Ihren Ein­satz für den FC Dundee bei der 2:6‑Derbyniederlage gegen United bezeich­nete eine Nach­rich­ten­agentur als ​schlech­testes Debüt aller Zeiten“. Wurde Ihnen Unrecht getan?
Ganz ehr­lich: Mich hat die Kritik nicht wirk­lich beschäf­tigt. Ich glaube, wenn man in so einem Spiel als Tor­hüter sein Debüt gibt, wird man ganz schnell zur Ziel­scheibe.

Den­noch: Fällt es nicht schwer, so eine ulti­ma­tive For­mu­lie­rung aus­zu­blenden?
Nor­ma­ler­weise viel­leicht. Aller­dings tauchte die Head­line ​Schlech­testes Debüt aller Zeiten“ selt­sa­mer­weise erst einen Monat nach dem Spiel auf. Da habe das nicht mehr so nahe an mich her­an­ge­lassen.

Was ging Ihnen denn direkt nach dem Spiel durch den Kopf?
Ich war am Boden zer­stört und dachte mir: ​Fuck!“ Es war furchtbar für mich. Meine Ver­lobte war im Sta­dion. Es war mein erstes Spiel vor so einer großen Kulisse (das Spiel fand am 1. Januar 2015 vor 12.964 Zuschauer statt, d. Red.). Natür­lich ist man nach so einer Nie­der­lage erst einmal extrem von sich selber ent­täuscht, weil man es sich ganz anders vor­ge­stellt hat.

Wie ging es dann weiter?
Der rest­liche Tag war für mich kom­plett gegessen, und in den nächsten drei Tagen war ich mental ange­schlagen. Beim nächsten Spiel, in dem ich für die zweite Mann­schaft auf­lief, war das aber auch schon wieder ver­gessen.

Sie haben sich trotz sechs Gegen­tref­fern keinen groben Patzer erlaubt. Wie haben Sie Ihre eigene Leis­tung nach dem Spiel bewertet?
Ich würde nicht sagen, dass ich gut gespielt habe. Wenn man sechs Dinger bekommt, kann man das als Keeper schlichtweg nicht behaupten. Ich habe aber zumin­dest das Team noch vor Schlim­meren bewahrt. Des­halb konnte ich nach dem Spiel mit ganz reinem Gewissen nach Hause gehen. Natür­lich ist man ange­fressen, wenn man ver­liert – egal wie hoch und wie. Die wich­tigste Mei­nung ist aber die vom Trainer, und die war zufrie­den­stel­lend.

Was hat er gesagt?
In Schott­land macht der Trainer direkt nach dem Spiel keine Ansprache. Ich bin also zuerst einmal nach Hause gegangen und habe das Spiel auf dem Weg mit zwei meiner Mann­schafts­kol­legen ana­ly­siert. Sie haben mir gut zuge­redet. Am nächsten Tag sagte der Trainer: ​Es war ver­dammt unfair, dass du in so einem Spiel dein Debüt geben muss­test, weil die Mann­schaft vor allem in der Defen­sive eine kata­stro­phale Leis­tung gezeigt hat.“

Waren Sie nervös?
Vor dem Spiel war ich ein wenig ange­spannt, durch meine Zeit beim FC St. Pauli wusste ich ja, welche Wer­tig­keit ein Derby bei den Fans hat. Aber als es dann los­ging, war ich in einem Tunnel: total fokus­siert. Ich hätte in der nächsten Partie auch sehr gerne gespielt. Es war aller­dings so, dass unsere Nummer eins wieder fit war, und ich ja nur die Nummer drei war.

Haben Sie sich das Spiel denn noch mal ange­sehen?
Mehr­fach. Ich hatte sogar ein paar Paraden, die in den Zusam­men­fas­sungen gar nicht vor­kommen, weil so viele Tore fielen. Ich weiß, dass es auf keinen Fall an mir lag. In der heu­tigen Zeit muss man sich als Sportler solche Bericht­erstat­tung aber auch gefallen lassen. Ich habe es mitt­ler­weile run­ter­ge­schluckt und mir gedacht: ​Es geht weiter.“

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