Wer ist schuld daran, dass ich mich schäme, wenn ich an den Sommer zurückdenke, in dem ich mein Abiturzeugnis bekam? Berti Vogts? Davor Suker? Ich selbst?
Dreizehn Jahre hatten wir darauf hingebüffelt. Und das sollte der Lohn sein: Der Abi-Ball! Der große Abend im „Schusterkrug“ in Wagenfeld, ein Exzess unter der gemieteten Lichtorgel, mit billigen Schnäpsen und noch billigeren Zigarren. Die Jungs in Anzügen mit Schulterpolstern, die Mädchen in Schweinchen-Rosa. Mein Gott, waren wir hässlich, mein Gott, waren wir schick.
Die älteren Jahrgänge erzählten sich Sagenhaftes von diesem Ereignis: Lehrer, die besoffen in die Bowle hechteten, der Hausmeister im Klammerblues mit der Klassensprecherin. Wir hätten es ein „Event“ genannt, aber dieses Wort kannten wir damals nur als Ausdruck für die einzelnen Disziplinen bei „Summer Games“ auf dem C64. Als ich den Saal betrat, jagte der Alleinunterhalter „What is Love?“ von Haddaway aus dem Synthesizer. Baby, don’t hurt me.