Man möchte gerade ja gerne Serhou Guirassy sein. Also ein Mensch, dem alles gelingt. Der sich beispielsweise den Ball mit dem Fuß so vorlegt, dass er ihn danach lässig über den Torhüter köpfen kann, wie Guirassy bei seinem letzten Treffer in Mainz. Der das Ding aus der Drehung von der Strafraumkante mal eben in den Winkel schmettert, wie bei seinem ersten Treffer gegen Darmstadt. Oder der, wie bei seinem zweiten Treffer gegen den Aufsteiger, den Keeper so entspannt überlupft, als könnte man das nur so lösen. Wenn der Stürmer aus Guinea in dem Tempo weitermacht, würde er am Ende der Saison bei 68 Toren stehen und in allen Fußballweltrekordbüchern landen.
Auch Harry Kane steht schon bei sieben Treffern, bei gleichbleibend hoher Torproduktion, und wenn er immer spielt, würde er in der Bundesliga auf ungefähr 48 Treffer für die Bayern kommen. Bei Victor Boniface wären es von seinen bisherigen sechs Treffern hochgerechnet rund 41, womit der Nigerianer von Bayer Leverkusen den Rekord von Robert Lewandowski einstellen würde. In der Bundesliga ist gerade die Zeit der heißen Füße. Nur werden sie sich höchstwahrscheinlich in absehbarer Zeit wieder abkühlen.
Der beste Indikator dafür, wie es mit den Dreien an der Spitze der Torjägerliste weitergehen wird, sind die Expected Goals. Diese zu erwartenden Tore weisen bekanntlich die Qualität der Torchancen aus, die eine Mannschaft bzw. ein einzelner Spieler hat. Die Reihenfolge der heißen Füße dreht sich dabei um, denn Boniface kommt auf 5,7 xG, Kane auf 5,5 xG, bei Guirassy sind es 4,3 xG. Allerdings hat der Stuttgarter keinen Elfmeter geschossen, Boniface hingegen einen und Kane sogar schon zwei. Strafstöße zählen mit rund 0,75 xG. Rechnet man die aktuellen Expected Goals auf die ganze Saison hoch, würde Boniface bei rund 39 xG landen, Kane bei 37 xG und Guirassy bei 29 xG. In der Saison, in der Lewandowski den historischen Torrekord von Gerd Müller brach, kam er auf 31,3 xG.
Über die Interpretation der zu erwartenden Tore und ihr Verhältnis zu den realen Treffern könnte man mehrtägige Symposien abhalten. Dort würde erbittert darüber gestritten, ob es sowas wie Effektivität gibt oder ob man von Glück oder der Gunst des Fußballgottes sprechen muss. Doch als Faustregel gilt, dass kaum ein Spieler auf Strecke seine Expected Goals bei der Zahl der wirklichen Tore übertrifft – außer Lionel Messi. Und explodierende Torquoten stehen immer unter dem Verdacht, dass sie nicht sonderlich nachhaltig sind.