Für unsere aktuelle Ausgabe haben wir die 100 Gewinner und Verlierer des Fußballjahres 2021 gekürt. Die ersten zehn Plätze gibt es hier. Das vollständige Ranking lest ihr im 11FREUNDE CLUB. Und natürlich in 11FREUNDE #242, erhältlich am Kiosk eures Vertrauens oder hier bei uns im Shop.
Nr. 1 ↑ Bo Svensson
Seit Jahren hatte Mainz 05 nur noch drögen Beamtenfußball in einem überdimensionierten Stadion präsentiert. Dann aber kam Bo Svensson und ließ die Truppe endlich dynamisch und ansehnlich nach vorne spielen. Die Trainersensation des Jahres!
Nr. 2 ↓ Christoph Schickhardt
Der Winkeladvokat ist Experte für exzentrische Ansichten. Dass er aber im ZDF konstatierte, Dietmar Hopp sei „eigentlich der letzte richtige Fußballfan“, war selbst für Onkel Schickhardts Verhältnisse von besonderer argumentativer Brillanz.
Illustration: Eammon Dalton
Nr. 3 ↑ Anthony Modeste
Der Stürmer hatte sein Frühpensionat in China verbringen wollen, dann aber zwangen ihn ungedeckte Gehaltsschecks zurück ins Rheinland. Wo er Doppelpack auf Doppelpack erzielt und als Einziger an Baumgarts Mütze herumfummeln darf.
Nr. 4 ↑ Svenja Schlenker
Geschichte wird gemacht, es geht voran! Endlich spielen Frauen bei Borussia Dortmund Fußball, gegen Viktoria Kirchderne und den Lüner SV. Ein Verdienst von Svenja Schlenker, der ersten „Abteilungsleiterin Frauenfußball“ beim BVB.
Hier geht es zur vollständigen Rangliste aller 100 Gewinner und Verlierer aus dem Jahr 2021.
Illustration: Eammon Dalton
Nr. 5 ↓ Fritz Keller. Und der gesamte DFB
Ein Jahr voller Intrigen. Am Ende hatten alle verloren
Durch die Bestallung des badischen Winzers Fritz Keller als Präsident hat der durch Intrigen und Skandale gebeutelte DFB eigentlich zur Ruhe kommen wollen. Doch schon nach wenigen Wochen stellte sich heraus, dass Keller keinesfalls vorhatte, sich in die angedachte Rolle des freundlichen Frühstücksdirektors zu fügen. Geplant war, dass der Präsident alle paar Jahre beim DFB-Bundestag moralisch hochwertige Reden hält, im Alltag aber den hauptamtlichen Funktionären möglichst nicht im Weg herumsteht. Doch auch ohne Richtlinienkompetenz, die seine Vorgänger von Neuberger bis Grindel noch innehatten, erwies sich Keller als ausgemachte Nervensäge und ließ in den hauseigenen Archiven und Aktenordnern wühlen, um zumindest die größeren Skandale der jüngeren Vergangenheit aufzuklären. Kein schlechtes Vorhaben, das der neue Präsident allerdings so ungeschickt anging, dass er auch wohlmeinende Kollegen gegen sich aufbrachte. Und so wurde in der Otto-Fleck-Schneise über Monate ein ebenso absurdes wie öffentliches Kammerspiel aufgeführt, in dessen Verlauf die Akteure von Präsident Keller über Generalsekretär Curtius bis hin zum unverwüstlichen Strippenzieher Rainer Koch mit erstaunlicher Beharrlichkeit versuchten, den jeweiligen Kontrahenten aus Amt und Würden zu drängen. Erst wurde Kellers engster Vertrauter unter fadenscheinigen Vorwänden aus dem Amt gedrängt, dann verglich Keller seinen Intimfeind Koch mit dem NS-Blutrichter Freisler, schließlich gelobten sämtliche Beteiligten Besserung, um gleich anschließend weiteres Material an die Presse durchzustecken. Am Ende hatten dann alle verloren. Keller trat zurück, Curtius demissionierte notgedrungen ebenfalls und Koch war zumindest den Posten des ersten Vizepräsidenten los.
Gelohnt hatte sich die offene Feldschlacht also nicht, zumal nicht für Fritz Keller, der sich wieder ins Badische zurückgezogen hat. Wer heute mit ihm spricht, erlebt einen erstaunlich aufgeräumten Ex-Präsidenten, der sich selbst nicht allzu viel vorwirft. Und doch bleibt die bittere Bilanz verpasster und verschwendeter Jahre, in denen der Fußballbund sich erneuern und in der Pandemie seiner gesellschaftlichen Verantwortung hätte gerecht werden können. Doch die Kraft des Verbandes mit seinen Millionen Mitgliedern wurde in Corona-Zeiten nie sichtbar. Die dringend benötigten Reformen stehen weiter aus. Es wird allerhöchste Zeit.
Toleranz predigen, mit Katar dealen
Nr. 6 ↓ ADO Den Haag
Investoren machen Klubs erfolgreich. Fast immer
Vor sechs Jahren verkaufte sich der holländische Traditionsklub an einen chinesischen Investor, der erwartungsgemäß nach Vertragsabschluss Zahlungsschwierigkeiten bekam. Anfang Mai meldete der Klub Insolvenz an, zwei Wochen später stieg er aus der ersten Liga ab, bis November zitterte Den Haag ums nackte Überleben. Nun kaufte eine US-Firma ADO vom Grabbeltisch weg. Investoren wirken eben immer segensreich.
Nr. 7 ↑ Nicola Nanni
Das einzige Tor für San Marino in der WM-Quali
0:10 gegen England, 0:4 gegen Ungarn und sogar 0:3 gegen Andorra. San Marino kassierte in der WM-Quali in zehn Spielen 46 Tore und schoss genau eins. Bei der 1:7‑Heimniederlage gegen Polen traf Nicola Nanni in der 48. Minute: Es war das 1:4 und machte die Partie noch mal richtig spannend. Nanni kickt aktuell für Lucchese in der italienischen Serie C und zeigte im Nationaltrikot: Ein bisschen was geht immer.
Nr. 8 ↑ Bayern-Fan Michael Ott
Toleranz predigen, mit Katar dealen – das passt nicht
Der FC Bayern sitzt Kritik an seiner Kooperation mit dem Emirat Katar gerne mit dem Verweis auf diskrete Reformgespräche vor Ort aus. So diskret, dass womöglich nicht mal die katarischen Machthaber davon wissen. Nun hat Bayern-Mitglied Michael Ott beantragt, der Klub möge den Deal mit Qatar Airways auslaufen lassen. Ein vergeblicher, aber nicht nutzloser Vorstoß. Ewig kann der Klub den Protest nicht aussitzen.
Illustration: Eammon Dalton
Nr. 9 ↓ Schalker Fans auf dem Parkplatz
Zerstörte Karren und Mike Büskens im Nahkampf
Drei atemlose Sprachnachrichten, die durchs Netz vagabundierten („Dem Büskens hamse im Arsch getreten!“), ließen ahnen, welche Jagdszenen sich auf dem Parkplatz vor der Veltins-Arena nach dem gesicherten Abstieg des FC Schalke abspielten. Ein aggressiver Mob, der doch eine ganze Saison Zeit hatte, sich auf den Abgang vorzubereiten. Das war ’ne Nummer! Eine ganz traurige.
Nr. 10 ↑ Der Bub auf dem Golfplatz
Vergoldete Äpfel von Dietmar Hopp
So beginnen Karrieren. Da lungert ein Bub auf dem Golfplatz rum und beobachtet rheumatische Frühpensionäre dabei, wie sie vergeblich der Platzreife entgegenputten, da kommt plötzlich ein Milliardär vorbei, der sein Geld mit angekündigten Impfstoffen gemacht hat, und schenkt dir 50 Euro. Die Story hat ein Freund des Milliardärs erfu …, ähem, erzählt. Was für ein Glückspilz, der Bub!