Hort der Romantiker - Zu Besuch bei Athletic Bilbao – 11FREUNDE

Nur Bayern beim FC Bayern, nur West­falen bei Borussia Dort­mund, nur Schwaben beim VfB Stutt­gart – in der Bun­des­liga unvor­stellbar, bei Ath­letic Bilbao seit fast einem Jahr­hun­dert ehernes Gesetz. Aus­schließ­lich Basken gehören zum Kader des acht­ma­ligen spa­ni­schen Meis­ters Ath­letic Bilbao, der sich als ein­ziger Verein neben den Top­klubs Real Madrid und FC Bar­ce­lona rühmen darf, noch nie aus der Pri­mera Divi­sion abge­stiegen zu sein. Und auch in der glo­ba­li­sierten und total kom­mer­zia­li­sierten Welt des Pro­fi­fuß­balls hält man an diesem Ana­chro­nismus, der im Norden Spa­niens nicht als sol­cher emp­funden wird, unbe­irrt fest.

Eherne Regel: Nur Basken!

»Ehe wir unsere Gewohn­heiten ändern, steigen wir lieber ab«, erklärt Prä­si­dent Fer­nando Garcia Macua tapfer. Doch der­zeit behaupten sich die »Löwen« als Tabel­len­siebter im natio­nalen All­tags­ge­schäft gut. Schon vor dem Heim­spiel gegen den deut­schen Pokal­sieger Werder Bremen hatten sie in der neuen Europa League die Zwi­schen­runde erreicht. Werder-Trainer Thomas Schaaf betrachtet die bas­ki­schen Fuß­ball-Roman­tiker mit Ambi­va­lenz. »Ein solche Gemein­schaft kann eine Stärke sein, die die Mann­schaft als Ein­heit zusam­men­schweißt. Aber man ist dann natür­lich auch sehr begrenzt, was den Spie­ler­markt angeht«, sagt der Coach der Han­seaten.

Auch sein deut­scher Kol­lege Jupp Heyn­ckes, der schon zweimal bei Ath­letic auf der Trai­ner­bank saß, musste sei­ner­zeit damit leben. Über­leben kann der 111 Jahre alte Klub nur durch ein aus­ge­klü­geltes Scou­ting-System, das mitt­ler­weile sogar welt­weit nach guten Nach­wuchs­fuß­bal­lern mit bas­ki­schen Vor­fahren fahndet. Rekru­tiert wurden und werden auch fran­zö­si­sche Basken wie der spä­tere Bayern-Ver­tei­diger Bixente Liza­razu.

Größte Hoff­nung: Iker Muniain

Doch die größte sport­liche Hoff­nung bei Bilbao ist der spa­ni­sche Baske Iker Muniain. Noch nicht einmal ganz 17 Jahre alt, wird der kleine wen­dige Dribbler fast schon in einem Atemzug mit Barca-Super­star Lionel Messi genannt. Bereits beim Hin­spiel im Weser­sta­dion, das die Platz­herren 3:1 gewannen, staunte das Bremer Publikum über den Trick­reichtum von »Bart Simpson«, wie er von seinen Team­kol­legen genannt wird.

»Dieser Junge steht für ganz beson­dere Momente auf dem Platz«, beschreibt Schaaf seine Ein­drücke von Muniain, der im Juli bereits sein erstes Pflicht­spiel für Ath­letic bestritt. Und jede Partie macht das Aus­nah­me­ta­lent teurer für die Inter­es­senten aus ganz Europa, denn die Ablö­se­summe richtet sich angeb­lich nach der Zahl der Ein­sätze des 1,67 Meter kleinen Tech­ni­kers für Bilbao. Ganz anders, aber irgendwie cha­rak­te­ris­tisch für Ath­letic, ist die Kar­riere von Stürmer Joseba Etxe­berria ver­laufen. Der 32-Jäh­rige spielt nach 15 Jahren seine Abschieds­saison im rot-weiß gestreiften Trikot – wie ein lupen­reiner Ama­teur ohne jede Bezah­lung: »Das soll mein Dan­ke­schön an diesen großen Klub sein.«

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