Keine Zeit für Experimente – 11FREUNDE

Als Ende 2021 bekannt wurde, dass Chris­tian Sei­fert nach 16 Jahren an der Spitze der Deut­schen Fuß­ball Liga (DFL) auf­hört, kam dies einer sport­li­chen Zei­ten­wende gleich. Als mit Donata Hopfen dann auch noch eine Frau als Nach­fol­gerin vor­ge­stellt wurde, machten sich viele die berech­tigte Hoff­nung auf grund­le­gende Reformen im deut­schen Pro­fi­fuß­balls. Eine bahn­bre­chende Ent­schei­dung, nannte Katja Kraus die Beru­fung Hop­fens damals. Die ehe­ma­lige Tor­hü­terin Kraus ist Spre­cherin der Initia­tive ​Fuß­ball kann mehr“, die sich für mehr Geschlech­ter­ge­rech­tig­keit und Diver­sität im Fuß­ball ein­setzt. Kraus, stell­ver­tre­tend für einige Reformer, setzte hohe Erwar­tungen in die neue DFL-Chefin. ​Sie wird die Her­aus­for­de­rungen mit fri­schem Blick auf ihre Weise angehen“, sagte Kraus.

Nicht einmal 365 Tage hat Donata Hopfen das Amt der DFL-Geschäfts­füh­rerin inne — und könnte es an diesem Mitt­woch schon wieder los sein. Wie der Kicker berichtet, könnte die DFL unter Vor­sitz von Hans-Joa­chim Watzke bei einer Auf­sichts­rats­sit­zung am Mitt­woch­nach­mittag die Ent­schei­dung fällen, Hop­fens Ver­trag vor­zeitig auf­zu­lösen. Regulär liefe der Ver­trag noch bis 2024. Watzke, Stimme von Borussia Dort­mund, und Ver­treter von fünf anderen Fuß­ball­klubs stellen der­zeit das Kon­troll­gre­mium. Fredi Bobic, Ver­treter von Hertha BSC, äußerte sich bei Magenta TV noch zurück­hal­tend. Der­zeit könne er die Berichte um Hop­fens Aus­scheiden nicht bestä­tigen, aber: ​Wir haben immer wieder Sit­zungen, das gehört dazu. Ich muss jetzt nicht groß rum­eiern. Es wird dem­nächst eine Sit­zung geben, dann werden wir sehen“.

DFL als Reprä­sen­ta­ti­ons­organ der Pro­fi­klubs

Donata Hopfen, ehe­ma­lige Unter­neh­mens­be­ra­terin, trat mit Amts­be­ginn am 1. Januar 2022 in große Fuß­stapfen. Ihr Vor­gänger Chris­tian Sei­fert war mehr als 16 Jahre lang DFL-Geschäfts­führer. In dieser Zeit konnte sich die Bun­des­liga im euro­päi­schen Fuß­ball­ge­schäft eta­blieren. Gegen Ende seiner Amts­zeit wurde Sei­fert als erfolg­rei­cher Kri­sen­ma­nager wäh­rend der Corona-Pan­demie wahr­ge­nommen. Sei­fert ließ damals zum ersten Mal in der Bun­des­li­ga­ge­schichte Geis­ter­spiele aus­tragen, sodass TV-Gelder weiter fließen und Umsatz­ein­brüche zumin­dest teil­weise gestoppt werden konnten. Offi­ziell begrün­dete der 51-Jäh­rige seinen Rückzug schließ­lich damit, dass ihm wegen der Corona-Pro­ble­matik die Zeit fehle, die breit­ge­fä­cherten DFB-Themen in aus­rei­chendem Maße bear­beiten zu können.

Seit knapp 22 Jahren besteht die Deut­sche Fuß­ball Liga als ein­ge­tra­gener Verein. Par­allel zur mit der Zeit stetig attrak­tiver wer­denden Bun­des­liga, grün­dete sich die DFL am 18. Dezember 2000 aus der Über­zeu­gung heraus, ein Reprä­sen­ta­ti­ons­organ der Pro­fi­klubs zu sein. Auch als Gegenpol zum großen DFB ist die DFL seit ihrer Grün­dung für die Ver­eine eine wich­tige Instanz. Dem Liga­ver­band unter­steht zudem die ​DFL GmbH“ als hun­dert­pro­zen­tige Tochter, welche die 1. und 2. Bun­des­liga der Herren orga­ni­siert und ver­marktet.

Und gerade bei der Ver­mark­tung stieß Donata Hopfen mit ver­schie­densten Vor­schlägen immer öfter auf Kritik. Zuletzt warb sie im Vor­feld der DFL-Mit­glie­der­ver­samm­lung, die Mitte November statt­fand, für den Ver­kauf von DFL-Anteilen an externe aus­län­di­sche Inves­toren. Vor der Saison deu­tete sie zudem an, offen für Meis­ter­schafts-Play­offs zu sein. Eine Ver­le­gung des DFL-Supercup nach Saudi-Ara­bien sei aus finan­zi­eller Sicht nicht aus­zu­schließen. ​Es gibt für mich keine hei­ligen Kühe“, sagte sie damals der Bild. Es hagelte dar­aufhin Kritik. Kurze Zeit später ruderte Hopfen zurück und schloss Spiel­ver­le­gungen nach Saudi-Ara­bien doch aus. Da war es offen­sicht­lich schon zu spät. 

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