Sonntag, halb sechs Uhr morgens. Taxi-Schicht am Odeonsplatz in der Altstadt Münchens. Zwei Männer rufen einen Wagen. Den Reklamierarm, mit dem der eine das Taxi heranwinkt, erkennt Fahrer Hazir S. sofort: Es ist Manuel Neuer, Stammkeeper beim FC Bayern und in der Nationalmannschaft. Doch S. hält sich zurück, spricht den Fußballer während der Fahrt nicht an, sondern fährt die Kunden zur genannten Adresse in München-Lehel. Nach Schichtende, mehrere Stunden später, findet S. im Wagen dann ein Portemonnaie. Ein Blick auf den Personalausweis verrät ihm den Besitzer des Geldbeutels: sein prominenter Gast aus den Morgenstunden.
Noch am selben Tag macht sich der Taxifahrer auf den Weg und fährt wieder zu der Adresse in Lehel, in der Hoffnung dort Manuel Neuer anzutreffen. Doch es macht ihm niemand auf. Also fährt er aus München raus nach Tegernsee, wo der Keeper ein Anwesen hat. Doch auch dort ist niemand vor Ort. Von einem Passanten erfährt er dann, dass nebenan der Berater von Manuel Neuer ansässig ist. „Der öffnete, ich gab alles ab, ließ meine Kontaktdaten da“, so S. Dann machte er sich auf den Heimweg nach München.
Zehn Tage später bekommt S. ein Paket mit einem signierten Trikot des Bayern-Kapitäns. Mutmaßlich als Dank für das gefundene Portemonnaie, eine Notiz ist nicht dabei. Freuen konnte sich der Taxifahrer nur bedingt. Beziehungsweise regte er sich sogar richtig darüber auf. „Dieser Finderlohn ist ein Hohn! Ich habe vier Kinder. Mit dem Trikot kann ich nichts anfangen“, so Hazir S. Im Gespräch mit der Bild.
Denn die Kosten für das Unterfangen waren beachtlich. Eine Taxifahrt für die von S. zurückgelegten 120 Kilometer hätte ca. 400 Euro gekostet. Das Portemonnaie hingegen sei prall gefüllt gewesen. Mehrere Kreditkarten sowie Bargeld im Wert von 800 Euro hätte er Manuel Neuer zurückgebracht. Rechtlich stünde dem Taxifahrer sogar ein Finderlohn zu. Dieser läge allerdings noch unter dem Wert eines neuen Bayern-Trikots.