Was es nicht alles für offizielle Hymnen im Zusammenhang mit solch einer WM gibt! Neben dem hier bereits, äh, gewürdigten DFB-Song von Marta Jandová und dem FIFA-Lied einer gewissen Alexis Jordan existiert auch ein Einlaufsong (Alan Parsons Project) sowie eine amtliche Maskottchen-Hymne. Bei der Weltmeisterschaft 2006 wurde die – sie hieß „Love Generation“ – übrigens zum erfolgreichsten WM-Lied überhaupt, was nicht einmal der ungelenkt durch das Video taumelnde Hobby-Exibitionist Goleo verhindern konnte.
Nun hat also auch die etwas züchtigere Karla Kick ihren eigenen Song. „Ready or not“ von einer Gruppe mit dem kilometerlangen Namen Michael Mind Project feat. Sean Kingston bedient wie weiland Bob Sinclar die Tanzflächen, schließlich soll ein Maskottchen ja ordentlich dazu hüpfen können, so dass ehrenwerte Musikgenres wie das Klavierkonzert oder die Metal-Ballade per se ausscheiden.
Hätte es deshalb gleich solch ein Plump-House sein müssen? Bei dem die Stimme des armen Sean Kingston derart rüde durch den Vocoder gejagt wurde, dass spätestens bei Minute 1.30 migränöser Kopfschmerz einsetzt? „Kann man gut zu laufen“, sagt die pragmatische Kollegin Maike Schulz. Mag sein, doch sich dieses Gejaule bis zum Anschlag aufgedreht in den Stadien vorzustellen, lässt schon jetzt den Angstschweiß aus den Poren treten. Damit nicht genug, der treibende Rhythmus und der fiese Ohrwurmrefrain verdichten sich zu einer düsteren Vorahnung: Diesem Lied wird in diesem Sommer niemand entkommen können. Nirgendwo.