Was kostet die Welt? - Der Transfermarkt wird zum Monopoly – 11FREUNDE

Es ist die klas­si­sche Situa­tion beim gemein­samen Mono­poly-Abend. Als erster der Spiel­runde landet man auf der »Schloss­allee«, und mit einem Mal ver­stummen die Gespräche am Tisch. Der Vater zieht ver­ächt­lich die Augen­braue hoch: »Na Sohn, kannst du dir das leisten?«, die Mutter fällt ihm beschwich­ti­gend ins Wort: »Nicht alles Geld auf einmal aus­geben«, und die Geschwister freuen sich über das Dilemma, in dem der unglück­liche Spieler sitzt. Soll er nun oder soll er nicht? Fast sein ganzes Geld aus­geben und in ein Grund­stück mit Hotel inves­tieren oder lieber nichts ris­kieren? Auf der einen Seite die Kosten, auf der anderen der mög­liche Ertrag. Keine leichte Ent­schei­dung.

Im modernen Fuß­ball­ge­schäft dagegen wäre die Ent­schei­dung bestimmt schnell gefallen. Denn hier wird mit nicht Mono­poly gespielt, son­dern die pri­mi­tive Vor­stufe aus Kin­der­gar­ten­zeiten: Kauf­laden. Es geht nicht um eine ein­fache Kosten-Ertrags­rech­nung, son­dern nur noch um den Kauf an sich. Da wech­selt dann schon einmal ein Holz­klotz für 10.000 Euro den Besitzer. Oder eben ein Robinho für 42 Mil­lionen.

Voll­kommen aus der Luft gegrif­fene Beträge

Was Man­chester City mit seinem neuen Inves­toren-Kon­sor­tium aus Abu Dhabi diese Woche mit der Ver­pflich­tung von Robinho vor­ge­macht hat, wird höchst­wahr­schein­lich keine Aus­nahme, son­dern Regel im euro­päi­schen Fuß­ball werden. Ohne einen Blick auf die mög­li­chen Erträge durch einen Transfer zu ris­kieren, werden pro­mi­nente Spieler für teils voll­kommen aus der Luft gegrif­fene Beträge gekauft.

Im Falle Robinhos hält der Spie­ler­kauf einer ver­glei­chenden Rech­nung zwar even­tuell gerade noch stand, er steht aber nur am Anfang einer Ent­wick­lung hin zu Trans­fer­ge­schäften ohne betriebs­wirt­schaft­liche Gegen­rech­nung. Schon wurde ange­kün­digt, in der nächsten Trans­fer­pe­riode 165 Mil­lionen Euro für Cris­tiano Ronaldo von Man­chester United zu bieten. Bereits die von Real Madrid zuvor ver­an­schlagten 100 Mil­lionen trieben jedem Betriebs­wirt die Tränen in die Augen. Soviel Ertrag kann ein ein­zelner Spieler einem Verein nie­mals ein­bringen.

Bisher waren die genannten astro­no­mi­schen Summen meist nur heiße Luft, aber auch das wird sich ändern. Immer mehr finanz­kräf­tige Inves­toren ver­süßen sich die Frei­zeit durch den Kauf des ein oder anderen Fuß­ball­klubs. Den wenigsten geht es dabei um unter­neh­me­ri­schen Erfolg, Geld ist bei den rei­chen Olig­ar­chen und Scheichs zur Genüge vor­handen. Zwangs­läufig werden sich die vor Geld strot­zenden Klub­ei­gen­tümer in ganz neue Trans­fer­summen hin­ein­stei­gern. Der bis­he­rige Ablö­se­sum­men­re­kord von Zine­dine Zidane (76 Mil­lionen) im Jahr 2001 wird kein wei­teres Jahr über­leben. Die­je­nigen Ver­eine ohne finanz­starken Geld­geber im Hin­ter­grund, werden sich bald vor­kommen, als hätten sie nur eine Jugend­her­berge in der »Bad­straße«.

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