1. Das Aussehen
Hooliganismus beginnt mit dem richtigen Look, da ist Beckers „Headhunter“-Schal erst der Anfang. Stiernacken, Verbrechervisage, Hornhaut an sämtlichen Körperenden – ein richtiger Hool achtet auf sein Äußeres. Weil er es sich wert ist. Mit ein wenig Pumperei, einem Grundkurs in Martial Arts und dem ein oder anderen aufputschenden Mittelchen könnte sich Becker relativ zügig ein Kreuz der Marke „Betonmischmaschine“ zulegen, mit dem er bei der nächsten Wald-und-Wiesenschlägerei anerkennende Blicke der Konkurrenz erntet. Wichtiger Teil der Optik sind zudem die gängigen Szenetattoos. Billig gestochene Vereinswappen, ein schmissiges, gerne fehlerhaft geschriebenes A.C.A.B. auf dem Hals oder eine Knastträne unterm Auge würden Beckers Street Credibility im Handumdrehen steigern. Auch die richtige Kleidung ist wichtig, Bomberjacken und Jogginghosen gibt es mittlerweile auch von Gucci oder Versace. Um dem Look den letzten Schliff zu geben, empfiehlt sich eine prominent platzierte Narbe, etwa auf der Wange, oder das Fehlen der Schneidezähne. Was aber, wenn man dieser Passion ernsthaft nachgeht, früher oder später von ganz alleine kommt.
2. Das Auftreten
Das viel zitierte „Never Surrender“ ist für den Hool von heute viel mehr als nur ein Sinnspruch. Er gilt in jeder Lebenslage. Kopf hoch, Brust raus, Blicke gnadenlos erwidern und gegebenenfalls zum Anlass für zünftiges Backenfutter nehmen. Auch in Situationen abseits des Stadions niemals aus der Rolle fallen, jede Interaktion ist eine Chance auf ordentlich Bambule. Dafür muss man aber die Initiative ergreifen: „Dürfte ich ein Autogramm haben, Herr Becker?“ ab sofort mit: „Halt die Schnauze, du Lappen“ parieren, oder gleich mit einer Kopfnuss. „Hier, ihre Schnittchen, Herr Becker“ als Gelegenheit wahrnehmen, am Kellner des Szenerestaurants ein lange überfälliges Exempel zu statuieren. Körperkontakt zu Passanten auf der Straße suchen, um sie bei einem leichten Rempler mit Dosenbier zu übergießen. Entscheidend ist dabei nicht die Intensität des Kontakts, sondern was man daraus macht. Ersetzt man „Hallo“ und „Auf Wiedersehen“ durch „Was, Alter, was?“, ergeben sich in praktisch jeder Situation interessante Möglichkeiten. Zu öffentlichen Auftritten, etwa Talkshows und TV-Galas sollte Becker zudem grundsätzlich nur noch besoffen aufkreuzen und problemorientiert kommunizieren. Dünnhäutigkeit ist dabei Trumpf: „Wie geht es Ihnen, Herr Becker?“ – „Alles klar, jetzt reicht’s…“
3. In Aktion
Dinge wie Ehre, Stolz usw. sind in der Hooliganszene unerlässlich, vor allem im Kampf. Von daher sollte Becker auch im Eifer des Massenschlägerei-Gefechts stets die ungeschriebenen Gesetze der Szene beachten: Nicht reintreten, wenn der Gegner blutend und bewusstlos am Boden liegt, auch wenn das natürlich sehr verlockend ist. Keine Waffen mit zur Wald- und Wiesenschlägerei bringen, darunter fallen auch Tennisschläger. Designer-Samthandschuhe sind ok, Quarzsandhandschuhe eher nicht. Sollte die Polizei am Ort des Geschehens auftauchen, sind obige Punkte allesamt hinfällig.