Zocker und Zerstörer – 11FREUNDE

Berech­tig­ter­weise erreichten uns ges­tern Zuschriften ent­rüs­teter Leser, wieso unser News­letter denn nicht ein­ge­tru­delt wäre. Dafür bitten wir um Ent­schul­di­gung! Und hoffen somit ohne jede Schutz­be­haup­tung davon­zu­kommen. Nur so viel: Die Brief­taube war es nicht, die sich auf dem Weg in eure Mail-Post­fä­cher ver­irrt hat. Ent­schul­digen müssen wir uns vor allem dafür, dass ihr, die unseren täg­li­chen Wisch ja wahr­schein­lich als ein­zige Infor­ma­ti­ons­quelle nutzt, nun nicht die geringste Ahnung habt, wie das Pokal­spiel zwi­schen Stutt­gart und Dort­mund am Mitt­woch­abend aus­ge­gangen ist. All jene, die es mit dem BVB halten, müssen wir darum ein zweites Mal ent­täu­schen: Der VfB Stutt­gart ließ die Borussen beim 2:0‑Sieg mit­unter wie einen über­for­derten Zweit­li­gisten hin­ter­her­he­cheln, war auf jedem ein­zelnen Qua­drat­meter des Platzes über­legen und ent­schied in der End­ab­rech­nung jedes Eins-gegen-Eins-Duell für sich.

Als Sebas­tian Hoeneß vor einem Drei­vier­tel­jahr seinen Dienst in Stutt­gart antrat, wurde er gefragt, wie er sich diesen Verein, dieses Umfeld antun könne. Und er ant­wor­tete: ​Ich glaube fest an diese Mann­schaft.“ Mit jedem wei­teren Spiel beweist er, dass dieser Satz nicht dahin­ge­sagt war, er stei­gert seine Glaub­wür­dig­keit mas­sivst. Weil er, und dort liegt der große Unter­schied zum BVB dieser Tage, seiner Mann­schaft, die aus vielen begna­deten Zockern besteht, eine spie­le­ri­sche Her­an­ge­hens­weise nach Maß anlegt. Edin Terzić indes beraubt die Spieler ihrer Stärken und lässt sein Team, das min­des­tens genau so fein­füßig ist, statt­dessen zer­stö­re­ri­schen Fuß­ball spielen. Das Pro­blem, das sich aller­dings zuneh­mend her­aus­stellt: Der Ansatz zer­stört nicht das Spiel des Geg­ners, son­dern viel­mehr das eigene. Wäh­rend die Stim­mung in Dort­mund also end­gültig zu kippen droht und nach Niclas Füll­krug nun auch Emre Can öffent­lich die Taktik kri­ti­sierte, ersäuft das Schwa­ben­land all­mäh­lich in Glück­se­lig­keit. Was der VfB zur­zeit spielt, ist mit Bayer Lever­ku­sens Fuß­ball das schönste, was die Bun­des­liga zu bieten hat. Am Sonntag kommt es zum direkten Duell. S’kommt, wie’s komma muss.

1,64

Meter misst Bayerns Neuzugang Bryan Zaragoza bloß. Damit wird der Spanier im neuen Jahr höchstwahrscheinlich der kleinste Spieler der Bundesliga sein. Einer aber war noch winziger: Dieter „Hoppy“ Kurrat, über 600 Mal für den BVB im Einsatz, maß sogar nur 1,62 Meter.

Erster Abstieg der Geschichte

Der FC Santos ver­machte der Fuß­ball­welt Pelé, Carlos Alberto, Robinho und Neymar. Das Selbst­ver­ständnis, ein Welt­klub zu sein, schien auch in den ver­gan­genen Jahren unge­bro­chen, obwohl es sport­lich wie finan­ziell stetig bergab ging. All die Legen­den­ge­schichten, die sich um den Verein ran­kenden Mythen, die großen Namen und Bilder, das bekam der FC Santos in dieser Woche brutal zu spüren, sie helfen im tristen Tages­ge­schäft nicht mehr. Unauf­haltsam war der Klub in den letzten Jahren ins Schlit­tern geraten. Selbst die Hoff­nung auf die Nach­wuchs­ar­beit, seit jeher Kern der Ver­einsi­den­tität, ver­en­dete letzt­lich. In seinem 111-jäh­rigen Ver­eins­be­stehen ist der FC Santos nach einer 1:2‑Heimniederlage gegen For­ta­leza EC nun erst­mals aus der ersten bra­si­lia­ni­schen Liga abge­stiegen. In der Stadt brannten im Nach­gang Autos, Neymar, der mit einem Kreuz­band­riss auf der sau­di­schen Couch saß, pos­tete nach dem Spiel: ​Wir werden wieder zum Lachen zurück­kehren.“ Die Rea­lität aber ist zum Heulen. Ein Jahr nach Pelés Tod steht der stolze FC Santos am Fuß­punkt seines Daseins.

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Das his­to­ri­sche Foto

Heute jährt sich zum 30. Mal eines der ​Wunder von der Weser“, näm­lich Wer­ders 5:3‑Sieg gegen den RSC Ander­lecht, bei dem die Heimelf bis zur 65. Minute mit 0:3 in Rück­stand lag. Aus diesem Anlass haben wir ein Foto aus dem Spiel her­vor­ge­kramt, aller­dings nicht wegen des Herrn links, dem zwei­fa­chen Tor­schützen Wynton Rufer. Nein, uns inter­es­siert der Spieler mit der Rotz­bremse. Er heißt Andree Wie­dener und wurde kurz vor Schluss aus­ge­wech­selt. Für ihn kam Mario Basler in die Partie, was inso­fern inter­es­sant ist, weil Basler zwei Jahre später ein berühmtes Zitat über seinen Kol­legen ablassen würde: ​Einer wie Wie­dener dürfte eigent­lich gar nicht Fuß­ball spielen.“ Kurz nach dieser Tirade wech­selte Basler zum FC Bayern, mit dem er dann 1999 das Pokal­fi­nale erreichte, und zwar gegen Werder Bremen. Basler flog in der 114. Minute vom Platz – nach einem Foul an Wie­dener. Werder gewann den Pokal. Hat nichts mit Ander­lecht zu tun, kann man aber immer wieder mal erzählen.

Das steht heute an

Hoch die Hände! Uns erwartet ein picke­pa­ckevolles Wochen­ende. Das zunächst noch ein wenig in Tritt kommen muss. Das Frei­tag­abend­spiel zwi­schen Hof­fen­heim und Bochum sowie die beiden Zweit­li­ga­par­tien Han­nover gegen Karls­ruhe und Wies­baden gegen Braun­schweig klingen von der Anset­zung erstmal so, als könnte nicht mal die stimm­liche Beglei­tung von David Atten­bo­rough noch glaub­haft Span­nung erzeugen. Aber lassen wir uns über­ra­schen. Von den Ergeb­nissen lest ihr dann am Montag hier. Also viel­leicht. Wir wollen es schließ­lich span­nend halten.

Ein schönes Wochen­ende wünscht

Max Nölke

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